• Sonstiges

    Mein Lesemonat März

    Das Jahr hat für mich gefühlt erst begonnen und schon befinden wir uns im April. Aus diesem Grund gebe ich nun auch etwas verspätet einen Überblick über meinen Lesemonat März. Er war nicht besonders erfolgreich, da ich die letzten Wochen immer sehr beschäftigt war. Trotzdem kann ich zufrieden sein, ich hatte eine gute Bücherauswahl. Glücklicherweise war keines meiner gewählten Bücher ein wirklicher Reinfall.

    Paulo Coelho – Elf Minuten

    Wie berührt man die Seele? Durch Liebe oder durch Lust? Kann man die Seele wie einen Körper berühren und umgekehrt? Ein provozierendes modernes Märchen über die Alchemie der Liebe.

    Das war für mich diesen Monat das schwächste Buch. Es ist sicherlich nicht schlecht geschrieben, aber ich bin überhaupt nicht in die Handlung hinein gekommen und fand auch die Entscheidungen der Protagonistin nicht nachvollziehbar. Da haben mir andere Coelho-Werke deutlich besser gefallen als „Elf Minuten“.
    Fazit: ★★★ von 5

    Martin Suter – Der letzte Weynfeldt

    Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, großbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie außerhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass nichts ist, wie es scheint.

    Ich lese unheimlich gerne Suter und “Der letzte Weynfeldt” war einer seiner wenigen Romane, die ich bisher noch nicht gelesen hatte. Auch wenn ich denke, dass es nicht mein neuer Lieblings-Suter wird, habe ich es sehr, sehr gerne gelesen. Der herrliche Snobismus seines Helden, den ich schon in der Allmen-Reihe so liebe, hat mich immer wieder zum Grinsen gebracht.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Lizzie Doron – Ruhige Zeiten

    Leale, mittlerweile um die sechzig, wurde von ihren Eltern einst einer polnischen Bäuerin anvertraut und überlebte Krieg und Verfolgung in einem Erdloch. Gerade volljährig heiratete sie in Israel den polnischen Schneider Sulik, denn sie sehnte sich nach einer Familie. Die beiden bekommen einen Sohn. Aber, sagt Sulik: »Man braucht auch einen Beruf, um zu überleben.« Und wirklich, nach Suliks Tod rettet die Arbeit in Sajtschiks Friseursalon ihr das Leben. Dreißig Jahre lang manikürt Leale den Frauen des Viertels die Nägel, hört ihre Geschichten und ist Sajtschiks Vertraute. In diesem Friseursalon verdichtet sich alles, Gegenwart, Vergangenheit, Erinnerungen, Sehnsucht.

    Auch mein zweiter Doron-Roman hat mir gut gefallen. Gefühlsmäßig habe ich während des Lesen immer wieder zwischen Lachen und Weinen geschwankt. Obwohl man als Leser immer wieder ziemliche Zeitsprünge hinlegen muss, war ich vollkommen in meinem Lesefluss drinnen. Ich musste es einfach in einem Rutsch durchlesen. Schließlich bin ich allerdings sehr melancholisch zurück geblieben, da ich das Ende mit gemischten Gefühlen erfüllt hat.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Agatha Christie – Der Ball spielende Hund

    Als die wohlhabende Emily Arundell in ihrem Landhaus die Treppe hinunterstürzt, glauben alle, sie sei auf dem Ball ihres Terriers ausgerutscht. Emily aber hat ihre Verwandten unter Verdacht. Hat einer von ihnen versucht, sie zu ermorden? Noch im Krankenhaus schreibt sie einen Brief an Hercule Poirot. Als dieser bei ihm eintrifft, ist es für die alte Dame jedoch bereits zu spät. Doch auch Poirot glaubt nicht an einen Unfall …

    Ich denke nicht, dass Christie in diesem Fall einen ihrer raffiniertesten Plots geschrieben hat, auch wenn ich überhaut nicht auf die Lösung des Falls gekommen wäre. Allerdings hat sie mich damit überzeugt, dass sie den Hund des Mordopfers so schön in die Handlung integriert hat. Mit einem liebenswerten Vierbeiner kann man mich vermutlich meistens überzeugen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

    Michelle Obama – Becoming: Meine Geschichte

    „Es gibt noch so vieles, was ich nicht weiß, über Amerika, über das Leben, darüber, was die Zukunft bringen wird. Aber mich selbst kenne ich. Mein Vater Fraser hat mir beigebracht, hart zu arbeiten, viel zu lachen und immer Wort zu halten. Meine Mutter Marian hat mir gezeigt, wie ich mit meinem eigenen Kopf denken und meine Stimme einsetzen kann. Gemeinsam haben sie mir in unserer beengten Wohnung in der South Side von Chicago dazu verholfen, den Wert unserer Geschichte, meiner Geschichte, in der größeren Geschichte unseres Landes zu erkennen. Selbst dann, wenn das Leben weder schön noch perfekt ist. Selbst dann, wenn es realer ist, als einem eigentlich lieb wäre. Denn die eigene Geschichte ist etwas, das man hat, das man immer haben wird. Wir müssen sie nur für uns beanspruchen.“

    Das war sicherlich das Highlight meines Monats, deshalb hatte dieses Buch auch einen eigenen Beitrag verdient (siehe http://buchdschungel.de/?p=89 ). Ich finde, es ist zurecht eines der meistverkauften Bücher des Jahres. Ich würde es auch jedem ans Herz legen, es selbst einmal zu lesen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

  • Biografisches,  Gegenwartsliteratur

    Becoming – Meine Geschichte

    Michelle Obamas Biografie war seit langem mal wieder ein Buch, das ich in meiner favorisierten Buchhandlung vorbestellt habe.

    In einer politischen Landschaft voller alter Männer war es interessant die relativ jungen Obamas zu beobachten und dabei vor allem Michelle, die offiziell gar kein Amt inne hatte. Sie vertritt für mich das Bild einer modernen, emanzipierten Frau, aber sie steht als engagierten Ehefrau und Mutter auch für traditionelle Werte.

    Es gab für mich also eine Vielzahl von Gründen “Becoming” zu lesen. Trotzdem habe ich es leider erst jetzt geschafft, es durchzulesen, obwohl ich mir das Buch direkt im November gekauft hatte. Mein Studium und verschiedene andere Verpflichtungen hatten mich vom Lesen abgehalten. Umso gespannter war ich, endlich damit anzufangen und meine Erwartungen wurden schließlich voll erfüllt.

    So erzählt Obama von ihrer Kindheit in einem der ärmeren Viertel Chicagos. Noch weit entfernt von einem Leben als weltbekannte Persönlichkeit beschreibt sie sich schon als Grundschülerin so ehrgeizig, dass sie immer zu den besten gehören wollte. Mithilfe der Unterstützung ihrer Eltern schafft sie es so schließlich nach Princeton. Dort stellt sie jedoch schnell fest, dass sie als Afro-Amerikanerin zu einer kleinen Minderheit gehört. Eine Erkenntnis, die auch ihre spätere berufliche Karriere beeinflussen wird. Nach einem erfolgreichen Jura-Studium in Harvard beginnt sie in einer großen Kanzlei zu arbeiten. Dort erfährt man schließlich auch wie sie Ehemann Barack kennen gelernt hat. Ausführlich und authentisch schildert sie ihren weiteren Werdegang, darüber wie sie mit ihrer Familie nie in der Politik landen wollte, bis hin zur Übergabe des Weißen Hauses an Donald Trump.

    Natürlich merkt man ihrer Biographie an, dass in den Vereinigten Staaten möglicherweise alles etwas enthusiastischer und romantisierter betrachtet wird. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass beispielsweise Angela Merkel ähnlich begeistert von ihrem Ehemann Joachim Sauer schreiben könnte. Das ist natürlich auf die Spitze getrieben, dennoch erscheint mir unser deutsches Naturell erheblich nüchterner zu sein.

    Unabhängig davon, ist “Becoming” vor allem unglaublich inspirierend. Es erzählt davon, wie Michelle mit viel Fleiß und Disziplin aus einer armen Gegend kommend schließlich an zwei Eliteuniversitäten studiert und eine erfolgreiche Karriere hinlegt.

    Beim Lesen hat es mir immer wieder Respekt eingeflöst, wie zielstrebig sie von Anfang an in ihrem Leben gewesen sein muss. Wie viel harte Arbeit sie investiert hat, auch um sich in der Gesellschaft zu engagieren und nicht nur um reich und erfolgreich zu sein.

    Auf der anderen Seite hat es mich noch mehr überzeugt, welche tiefe Einblicke sie auch in negative Aspekte ihres Privatlebens gegeben hat. So erstaunte es mich beispielsweise, dass sie so offen von den Schwierigkeiten ihres Kinderwunsches erzählt. Gerade die Obamas wirken immer als eine Vorzeigefamilie. Es erscheint gerade zu unvorstellbar, dass es ohne die heutigen medizinischen Möglichkeiten von künstlicher Befruchtung diese Familie so vielleicht gar nicht gäbe.

    Oder wie sie ehrlich die politischen Ambitionen ihres Mannes reflektiert. Zwar hat er in seiner Karriere viel erreicht, aber dafür hatte dies auch einige Schattenseiten für die Familie. Immer voll im Einsatz für seine Ämter, konnte er oftmals nicht bei seinen noch kleinen Kindern sein.

    Insgesamt bot das Buch sowohl Anekdoten zum Schmunzeln sowie einen Blick auf ernstere Themen unserer heutigen Gesellschaft. Gerade in Zeiten von Populismus und nicht enden wollenden Skandalen aus dem Weißen Haus ist es ermutigend zu sehen, was jeder Einzelne von uns erreichen kann.

    Michelle Obama : „Becoming – Meine Geschichte“. Goldmann. 544 S., 26€