• Biografisches,  Gegenwartsliteratur

    Die Sünde der Frau

    Als großer Fan von 50er-Jahre-Filmen, liebe ich natürlich auch die Filme mit Marilyn Monroe, insbesondere in einer ihrer Paraderollen in “Some like it hot” von Billy Wilder. Als ich also nach neuem Lesestoff für den Sommer gesucht habe, fiel mir “Die Sünde der Frau” von der niederländischen Autorin Connie Palmen mit Marilyn auf dem Cover sofort ins Auge und weckte mein Interesse.

    Palmen schreibt allerdings nicht nur über Leinwandlegende Monroe, sondern handelt in drei weiteren kurzen Essays auch noch das Leben von Patricia Highsmith, Jane Bowles und Marguerite Duras ab. Der Gemeinsamkeiten die die Autorin dabei aufzeigen möchte sind laut eigener Aussage “Originalität, Ruhm und Selbstzerstörung”.

    Da ich mich mit den anderen drei Damen bis dato noch nicht weiter auseinandergesetzt hatte, war es interessant einen Einblick in die Biographie dieser drei Künstlerinnen zu bekommen, auch wenn dieser natürlich aufgrund der Kürze der Essays nur sehr oberflächlich ausgefallen ist. Dadurch wurde ich allerdings neugierig und habe selber noch ein wenig weiter im Internet recherchiert.  

    Als “die Sünde” der Frau(en) in ihrem Werk sieht Palmen die Unfähigkeit ihrer Protagonistinnen, sich der ihnen durch ihre Zeit vorgegebenen Rolle als Frau anzupassen. Keine von ihnen gab die ordentliche Hausfrau und Mutter, sondern führte stattdessen ein Leben ihrer Kunst (und dem Laster) gewidmet.

    Das ist in Zeiten, in denen von Gleichberechtigung noch keine Rede war, beeindruckend und inspirierend, allerdings hat mich die teils einseitige Analyse leicht gestört. Wir bekommen das Bild der tragischen Heldin serviert, die logischerweise, da sie sich gegen ihre Lebensumstände aufgelehnt hat, als Quittung dafür die Konsequenz tragen muss: ein Leben voller Tragödien, einschließlich einem tragischem Ende. Dabei wird bei allen vier Frauen besonderen Wert darauf gelegt, dass dieses Schicksal schon durch eine Kindheit ohne Vater , stattdessen aber einer “unfähigen” Mutter vorherzusehen war. Das erscheint mir rührselig und banal, wenn man bedenkt, dass es doch um die Originalität dieser Frauen ging. Sicherlich ist ihre Kindheit prägend gewesen, jedoch hat Palmen ein bisschen sehr viel Freudsche Psychoanalyse in ihrem Werk betrieben.

    Mein Fazit also: “Die Sünde der Frau” lenkt den Blick zwar auf vier interessante Persönlichkeiten, ist aber insgesamt betrachtet recht flach geschrieben.  

     

    Connie Palmen: „Die Sünde der Frau“ .Diogenes. 96 S., 20,00€