Sonstiges

Meine Bücher im April

Ich bin eigentlich immer noch stark am Kämpfen, um zwischen der ganzen Hektik die Zeit und auch die Muße zum Lesen zu finden. Mein Studium macht mir das manchmal sehr schwer, aber da ich einen ganzen Stapel an Büchern für meine Seminare vorbereiten/lesen muss, hab ich eh keine Alternative. Das ist einerseits deprimierend, da ich somit nicht die von mir gewählten Bücher lesen kann. Andererseits entdecke ich dadurch auch Autoren/Bücher für mich, die sonst nicht auf meinem Radar gewesen wären. So diesen Monat z.B. Térezia Mora, die mir wider Erwarten gut gefallen hat. Den kompletten Überblick mit meinem Fazit findet ihr im Folgenden.

Yoko Tawada – Sendbo-o-te

Nach einer Katastrophe hat Japan die Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Die Nahrung ist dadurch eingeschränkt, ausländische Güter sind abgeschafft oder verboten. Selbst die Sprache der Bewohner wird dadurch bestimmt, Fremdwörter existieren nicht mehr und wenn, dann nur ins Japanische angepasst. In mitten dieser Situation lebt Yoshiro mit seinem Urenkel Mumey. Dieser ist wie auch die anderen Kinder krank geboren, die Alten leben dafür immer länger. Das müssen sie anscheinend auch, um sich um die Kinder kümmern zu können. Als der Alltag schwieriger wird, versucht eine geheime Organisation, ausgewählte Kinder als »Sendboten« ins Ausland zu schmuggeln – zu Forschungszwecken. Auch der liebenswerte aufgeweckte Mumey wird dafür ins Auge gefasst …

Vorne weg: Das war meine erste Annäherung an japanische/asiatische Literatur. Ich bin den Umgang damit also nicht gewohnt, was sicherlich großen Einfluss auf mein Leseerlebnis mit diesem Buch hatte. Die für die westliche Literatur ungewöhnlich blumige Sprache hat mir sehr gut gefallen, aber auch hier fand ich die verwendeten Metaphern aus meiner Sicht exotisch gewählt. So ging es mir dann auch mit der Handlung, besonder gegen Ende blieb mir vieles unverständlich. Die (Zeit-)Sprünge in den Handlungen erschienen mir wahllos und dadurch hat sich mir auch Mumeys Schicksal nicht erschließen können. Möglicherweise werde ich “Sendbo-o-te noch einmal lesen müssen, um es in vollem Umfang begreifen zu können.

Fazit: ★★ von 5

Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen!

Ich hatte den Roman bereits vor Jahren schon gelesen, vor allem weil ich den Film mit Audrey Hepburn schon immer sehr mochte, Allerdings ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass der Film Capotes Geschichte doch sehr rosarot zeichnet. Die unschuldig wirkende Hepburn lässt einen schnell den eher weniger unschuldigen Plot der Geschichte übersehen. Gerade in den prüden 50er Jahren handelte es sich dabei um einen ziemlichen Skandal.

Fazit: ★★★★ von 5

Robert Menasse – Die Hauptstadt

In seinem großen europäischen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.

Das war jetzt mein zweiter Anlauf mit dem Buch und gerade die ersten 200 Seiten fand ich anstrengend. Es gab zu viele Personen und Schauplätze, um den Überblick zu behalten. Aber als ich mich dann endlich reingelesen hatte, war ich sehr fasziniert von Menasses Konzept. Er spinnt ein Netz aus verschiedensten Perspektiven, die sich am Ende zu einem großen ganzen Verdichten. Seine Gedanken zu Europas Zukunft finde ich sehr interessant, trotzdem gab es ein paar Handlungsstränge, für die ich mir eine konkretere Ausführung gewünscht hätte.   

Fazit: ★★★★ von 5

Agatha Christie – Der blaue Express

Der Fahrplan stimmt, der Zeitplan auch. Ein perfekter Mord im Luxuszug Calais – Paris – Nizza. So scheint es. Nur eine kleine Unstimmigkeit lässt Hercule Poirots kleine graue Zellen nicht mehr ruhen: die Frage nämlich, warum das Gesicht der jungen Frau, Tochter eines amerikanischen Millionärs, nach ihrer Ermordung entstellt wurde.

Christie schrieb diesen Poirot Krimi bereits ein paar Jahre vor einem ihrer bekanntesten Werke “Mord im Orientexpress”. Trotzdem steht “Der blaue Express” diesem in keinster Weise nach, auch beim zweiten Mal lesen habe ich wieder voll mitgefiebert. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer denn nun eigentlich der Mörder ist und da Christie auch aus der Perspektive der zwischen den zwei Verdächtigen stehenden Miss Katherine Grey erzählt, ist man umso gespannter auf die Auflösung.

Fazit: ★★★★ von 5

Terézia Mora – Die Liebe unter Aliens: Erzählungen

Mit virtuoser Nüchternheit erzählt Térezia Mora von der Verlorenheit der Menschen in unserer Gesellschaft, von Einsamkeit und Fremdheit – und von der Suche nach Wärme, Halt und den kleinen Momenten des Glücks.

Kurzgeschichten lese ich von mir aus selten, das ist für mich sonst immer ein Deutschunterrichtsthema gewesen. Aus diesem Grund musste ich es als Lehramtsstudentin jetzt lesen und fand es gar nicht so schlimm. Ich konnte nicht mit jeder Erzählung etwas anfangen, aber mein Fazit ist überwiegend positiv. Mora trifft den Geist unserer Zeit, in der wir zwar alle Möglichkeiten haben, dafür aber oftmals gerade deshalb so verloren sind.

Fazit: ★★★★ von 5

Michaela Karl – Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen

New York City, 1955. High Heels klackern auf der 5th Avenue. Im Kleinen Schwarzen, mit Perlenkette und Beehive ist Maeve Brennan auf dem Weg in den New Yorker. Die Frau, die viele für die echte Holly Golightly halten, ist ein Star ihrer Zeit, gefeierte Autorin und New Yorker Fashion-Ikone. Doch ihr Lebensmotto lautet nicht umsonst: “Bis zum Chaos ist es nur ein kleiner Schritt…”.

Was soll ich dazu noch groß sagen? Ich habe sicherlich in meinem Beitrag zu diesem Buch deutlich genug gemacht, wie sehr ich davon angetan war. Es enthält einfach alles, was ich mir in einem Buch wünsche. Es fängt den Glamour dieser Zeit auf und erinnert an eine außergewöhnliche Frau. Schlicht und ergreifend einfach ein tolles Buch!  

Fazit: ★★★★★ von 5


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