Biografisches

Die Frau hinter Holly Golightly

Ich muss gestehen, ich habe noch nie zuvor etwas von Maeve Brennan gehört. Genauso wenig kannte ich bisher Michaela Karl. Zum Glück hat sich das dank dem Hoffmann & Campe Verlag vor Kurzem geändert. Beide Damen haben mich nämlich nachhaltig überzeugt. In dem Buch mit dem vielversprechenden Titel “Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen” von Michaela Karl geht es um “die Frau, die viele für die echte Holly Golightly halten”. Also jene legendäre Roman-/Filmheldin aus “Breakfast at Tiffany’s”. Den meisten ist sie als bekannteste Rolle Audrey Hepburns ein Begriff.

In der Tat ist es so, dass man zwischen Brennan und Golightly Parallelen finden kann. Alleinige Vorlage ist sie jedoch sicherlich nicht. Capote selbst sagte über seine Heldin lediglich, sie sei durch verschiedenen Frauen seines Bekanntenkreises inspiriert gewesen. Dazu gehörte vermutlich Brennan, aber auch Capotes Mutter, Gloria Vanderbilt sowie verschiedene andere Damen.

Das ist ein interessanter Aspekt Brennans, aber eben nur einer. Im Gegensatz zu Holly Golightly ist sie in keinster Weise von irgendeinem Mann abhängig. Im Gegenteil arbeitet sie im Vergleich zu den meisten ihrer Zeitgenossinnen ihr ganzes Leben lang selbst für ihren Unterhalt. Das tut sie, weil sie ihren Beruf liebt. Für sie wäre es unvorstellbar gewesen, sich nur noch dem Haushalt zu widmen.

Begeistert hat mich an dieser Biografie, dass es von einer intelligenten, unabhängigen Frau erzählt, die dennoch einen starken Sinn für Mode hegt. Oftmals wird das ja als Widerspruch dargestellt. Somit war es auch eine gute Fortführung, nachdem ich erst erst gerade Michelle Obamas “Becoming” beendet hatte.

Brennen allerdings hält sich fern von der Politik. Ihre Eltern waren sehr involviert in den irischen Unabhängigkeitskampf, weshalb ein Familienleben lange nicht richtig möglich war. Der Kontakt zu den beiden wird ein Leben lang eher schwierig bleiben. Aus diesem Grund und durch den katholischen Konservativismus Irlands kehrt sie der Heimat den Rücken. New York wird ihr zuhause werden, ihre Kollegen beim New Yorker ihre Ersatzfamilie.

Mit vielen Anekdoten, die zum Schmunzeln anregen, berichtet Karl über das Leben dieser interessanten, talentierten Frau. Damit hat ihre Geschichte für mich perfekt in die aktuelle feministische Stimmung getroffen. Auch hier zeigt sich, es gab schon immer weibliche Heldinnen, man/frau muss sie nur entdecken. Sogar das notwendige tragische Ende kann sie vorweisen.

Für mich ein weiterer großer Pluspunkt dieser Neuerscheinung war auch, die charmante Atmosphäre des 50er Jahre New Yorks. Neben wilde Partys und viel Mode waren auch einige der interessantesten Personen dieses Jahrzehnts in Brennans Umfeld anzutreffen. Eben besagter Capote, genauso aber auch Diana Vreeland oder Camel Snow in ihrer Zeit bei Harper’s Bazaar.

Das einzige was ich mir noch gewünscht hätte, waren noch ein paar mehr Bilder gewesen. So habe ich nebenher immer wieder gegoogelt, wie denn nun etwa Christian Diors New Look aussah. Aber möglicherweise ändert Hoffman & Campe das ja noch in einer 2.Auflage.

Michaela Karl : „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen.“. Hoffmann und Campe. 352 S., 22€

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