• Biografisches,  Gegenwartsliteratur

    Becoming – Meine Geschichte

    Michelle Obamas Biografie war seit langem mal wieder ein Buch, das ich in meiner favorisierten Buchhandlung vorbestellt habe.

    In einer politischen Landschaft voller alter Männer war es interessant die relativ jungen Obamas zu beobachten und dabei vor allem Michelle, die offiziell gar kein Amt inne hatte. Sie vertritt für mich das Bild einer modernen, emanzipierten Frau, aber sie steht als engagierten Ehefrau und Mutter auch für traditionelle Werte.

    Es gab für mich also eine Vielzahl von Gründen “Becoming” zu lesen. Trotzdem habe ich es leider erst jetzt geschafft, es durchzulesen, obwohl ich mir das Buch direkt im November gekauft hatte. Mein Studium und verschiedene andere Verpflichtungen hatten mich vom Lesen abgehalten. Umso gespannter war ich, endlich damit anzufangen und meine Erwartungen wurden schließlich voll erfüllt.

    So erzählt Obama von ihrer Kindheit in einem der ärmeren Viertel Chicagos. Noch weit entfernt von einem Leben als weltbekannte Persönlichkeit beschreibt sie sich schon als Grundschülerin so ehrgeizig, dass sie immer zu den besten gehören wollte. Mithilfe der Unterstützung ihrer Eltern schafft sie es so schließlich nach Princeton. Dort stellt sie jedoch schnell fest, dass sie als Afro-Amerikanerin zu einer kleinen Minderheit gehört. Eine Erkenntnis, die auch ihre spätere berufliche Karriere beeinflussen wird. Nach einem erfolgreichen Jura-Studium in Harvard beginnt sie in einer großen Kanzlei zu arbeiten. Dort erfährt man schließlich auch wie sie Ehemann Barack kennen gelernt hat. Ausführlich und authentisch schildert sie ihren weiteren Werdegang, darüber wie sie mit ihrer Familie nie in der Politik landen wollte, bis hin zur Übergabe des Weißen Hauses an Donald Trump.

    Natürlich merkt man ihrer Biographie an, dass in den Vereinigten Staaten möglicherweise alles etwas enthusiastischer und romantisierter betrachtet wird. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass beispielsweise Angela Merkel ähnlich begeistert von ihrem Ehemann Joachim Sauer schreiben könnte. Das ist natürlich auf die Spitze getrieben, dennoch erscheint mir unser deutsches Naturell erheblich nüchterner zu sein.

    Unabhängig davon, ist “Becoming” vor allem unglaublich inspirierend. Es erzählt davon, wie Michelle mit viel Fleiß und Disziplin aus einer armen Gegend kommend schließlich an zwei Eliteuniversitäten studiert und eine erfolgreiche Karriere hinlegt.

    Beim Lesen hat es mir immer wieder Respekt eingeflöst, wie zielstrebig sie von Anfang an in ihrem Leben gewesen sein muss. Wie viel harte Arbeit sie investiert hat, auch um sich in der Gesellschaft zu engagieren und nicht nur um reich und erfolgreich zu sein.

    Auf der anderen Seite hat es mich noch mehr überzeugt, welche tiefe Einblicke sie auch in negative Aspekte ihres Privatlebens gegeben hat. So erstaunte es mich beispielsweise, dass sie so offen von den Schwierigkeiten ihres Kinderwunsches erzählt. Gerade die Obamas wirken immer als eine Vorzeigefamilie. Es erscheint gerade zu unvorstellbar, dass es ohne die heutigen medizinischen Möglichkeiten von künstlicher Befruchtung diese Familie so vielleicht gar nicht gäbe.

    Oder wie sie ehrlich die politischen Ambitionen ihres Mannes reflektiert. Zwar hat er in seiner Karriere viel erreicht, aber dafür hatte dies auch einige Schattenseiten für die Familie. Immer voll im Einsatz für seine Ämter, konnte er oftmals nicht bei seinen noch kleinen Kindern sein.

    Insgesamt bot das Buch sowohl Anekdoten zum Schmunzeln sowie einen Blick auf ernstere Themen unserer heutigen Gesellschaft. Gerade in Zeiten von Populismus und nicht enden wollenden Skandalen aus dem Weißen Haus ist es ermutigend zu sehen, was jeder Einzelne von uns erreichen kann.

    Michelle Obama : „Becoming – Meine Geschichte“. Goldmann. 544 S., 26€