• Sonstiges

    Mein Besuch der Prager Kloster-Bibliothek

    Die letzte Zeit war es aufgrund der Prüfungen für mein Studium sehr stressig, deshalb konnte ich auch keine weiteren Beiträge schreiben. Nachdem das allerdings vorüber ist, habe ich mir zusammen mit meinem Freund einige schöne Tage in Prag gegönnt. Meine Großeltern wohnen dort in der Nähe, es war also nicht mein erster Besuch der tschechischen Hauptstadt, aber ich finde immer wieder neue interessante Orte. Diesmal hatte ich von einer schönen alten Bibliothek gehört, welche sich dort befinden sollte.

    Im Internet fand ich heraus, dass es sich dabei um die Bibliothek des Kloster Strahov handelte. Dieses stammt bereits aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, noch bis heute handelt es sich um eine Abtei des Ordens der Prämonstratenser. Die Bibliothek selbst besteht aus zwei Räumen: dem theologischen und dem philosophischen Saal. Darin sind einige Kostbarkeiten und Unikate enthalten, unter anderem auch das Evangeliar von Strahov, eine Handschrift aus dem 9./10. Jahrhundert.

    Ich liebe alte Bücher/Bibliotheken und war erstmal vollkommen euphorisch, zumal auch der Eintritt sehr günstig erschien.

    Es kam jedoch nicht ganz so wie erwartet…

    Da das Kloster nicht in der Nähe des Hotels lag, wollte ich es noch vor dem Check-in besuchen. Ich hatte mir auch extra viel Zeit eingeplant, um ja alles anschauen zu können.

    Wir kamen also pünktlich dort an, die Fahrt war gut verlaufen und auch das Kloster hatten wir sofort gefunden. Als erstes kleineres, aber schnell behobenes Problem stellten wir fest, dass die Zahlung nur Bar und in Kronen möglich war. Das war kein Drama, da sich in der Nähe ein Wechselautomat befanden. An der Kasse sah ich dann, dass man für die Möglichkeit zu fotografieren extra bezahlen musste. Ich haderte kurz mit mir, aber ich hatte schon fest eingeplant, dass ich dazu einen Beitrag für euch schreiben wollte. Also zahlte ich diese 50 Kronen ( ca. 2 €) natürlich.

    Um zu der Bibliothek zu gelangen, musste man über eine Treppe in das nächste Stockwerk. Wir stiegen also die Treppe hinauf und mussten erstmal feststellen, dass man von dort nicht viel weiter kam. Die Bibliotheksräume sahen zwar genauso malerisch aus wie auf Bildern, aber wenn man keine Führung gebucht hatte, konnte man nur von einem kleinen Flur aus durch die Eingangstüren schauen. Ich war darüber sehr enttäuscht, aber zumindest hatte ich noch die Chance auf ein paar gute Bilder.

    Dann kam jedoch auch noch Pech ins Spiel. Nach ein paar Fotos gab bereits der Akku meines Fotoapparates auf. Auch der Versuch mit der Handykamera scheiterte schnell, weil auch diese beschlossen hatte, ihre Funktion aufzugeben. Ich musste also hoffen, dass bei meinen wenigen Fotografien ein paar ordentliche dabei sein würden.

    Die Ergebnisse seht ihr im Anschluss:  

    Philosophischer Saal
    Theologischer Saal ( wenn auch mehr schlecht als recht sichtbar)

    Der Eintritt hat uns jeweils 60 Kronen gekostet, da wir den Studententarif nutzen konnten. Fotos musste ich, wie bereits erwähnt, nochmal extra zahlen.

    Weitere Informationen findet ihr auf:

    https://www.strahovskyklaster.cz/en/basic-information

  • Belletristik,  Gegenwartsliteratur

    Frau im Dunkeln

    Elena Ferrante war im letzten Jahr definitiv eine meiner liebsten Autorinnen, “Meine geniale Freundin” und die Folgebände habe ich regelrecht verschlungen. Als ich die Liste der Suhrkamp-Neuveröffentlichungen für das Frühjahr 2019 durchblätterte, fiel mir deshalb sofort “Frau im Dunkeln” ins Auge und ich wusste, dass ich diesen Ferrante-Roman lesen muss. Zu meiner allergrößten Freude bekam ich dann auch bereits vor einigen Wochen ein Rezensions-Exemplar davon zugesandt, allerdings durfte ich noch nicht sofort darüber berichten. Ich musste mich lange gedulden und nun ist es also endlich soweit. Für diese Gelegenheit bin ich dem Suhrkamp-Verlag sehr dankbar!

    Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich ein riesiger Fan der Neapolitanischen Saga. Das hatte aber auch zur Folge, dass ich große Erwartungen an diese Neuerscheinung hatte. Gleichzeitig hatte ich somit aber genauso viel Angst davor, enttäuscht zu werden. Trotzdem überwog meine Neugier dann doch recht schnell und ich hatte das Buch innerhalb eines Abends durchgelesen.

    Ferrante erzählt diesmal aus der Perspektive von Leda. Eine Frau um die 50, deren Kinder schon erwachsen und in die Ferne gezogen sind. Von ihrem Mann ist sie bereits längere Zeit getrennt und so genießt sie scheinbar ihr neues ungebundenes Leben in vollen Zügen. Um diese Freiheit auch gebührend zu nutzen, beschließt sie nach langer Zeit wieder einen Urlaub am Meer zu machen. Dabei wird aber von Anfang an klar, dass dieses keineswegs ein vollkommen unbefangener Ausflug sein wird. Schon als sie in ihrer Ferienunterkunft ankommt, entdeckt sie, dass die zunächst perfekt arrangierte Obstplatte unter der Oberfläche bereits zu faulen beginnt. Damit ist der Tenor der weiteren Handlung gesetzt.

    Die scheinbare Idylle, die sie dort vorfindet, verwandelt sich für sie schnell in das Gegenteil – längst vergessene Ängste werden bald wieder in ihr aufgewirbelt.

    Wenn ich Ferrante lese, habe ich konstant das Gefühl, direkt auf einen Unfall zu zu steuern, ohne daran irgendetwas verhindern zu können. Das war auch dieses Mal so. Während dem Lesen gerät man tiefer und tiefer in das psychische Chaos von Leda. Je mehr Puzzlesteine aus ihrer Vergangenheit aufgelöst werden, desto mehr beginnt man Verständnis für ihr Verhalten zu entwickeln. Trotzdem bleibt man als Leser auch immer wieder mit Unverständnis zurück, gerade wenn sie schonungslos offen über ihre Rolle als Mutter resümiert.

    Ferrante beschreibt, wie gewohnt, besonders das Innenleben ihrer Figur so intensiv, dass man sich diesem kaum entziehen kann und mitfiebert bis zur letzten Seite.

    Wer ihre Durchbruchs-Reihe allerdings schon gelesen hat, dem erscheint die Protagonistin schnell vertraut. Ferrante hatte diesen Roman 2006 geschrieben, also noch einige Jahre vor “Meine geniale Freundin” und das merkt man auch. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass darin schon viel Vorarbeit für Lila und Lenu lag. So greift sie auch hier Themen über schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen auf oder etwa die Problematik, ein selbstbestimmtes Leben auch außerhalb der Rolle als Mutter zu führen. Das bietet für mich als Leser natürlich wiederum viel Spielraum für Spekulationen: Wie viel davon steckt wohl in der Autorin selbst? Schließlich bleibt sie (und will dies auch bewusst bleiben) immer nur die Frau im Dunkeln.

    Wenn ich mein Fazit zu diesem Roman ziehe, so muss ich nochmal betonen, man spürt sehr deutlich, dass es das Vorgängerwerk zu “Meine geniale Freundin” ist. Viele Thematiken überschneiden sich, die Figur der Leda findet sich auch in Lila und Lenu wieder. Für ihre nächstes Buch erhoffe ich mir also sehr, dass sie sich aus diesem vertrauten Bereichen hinauswagt und sich ihre Werke noch weiter so positiv entwickeln. Ich kann “Die Frau im Dunkeln” vor allem Ferrante-Fans empfehlen, die mehr in die Welt der Autorin eintauchen möchten oder auch Neueinsteigern um mit dem Ferrante-Fever zu beginnen.

    Elena Ferrante : „Frau im Dunkeln“. Suhrkamp. 188 S., 22€