• Belletristik,  Gegenwartsliteratur

    Who the Fuck Is Kafka ?

    Als ich in meiner Lieblingsbuchhandlung meine Buchbestellung abholen wollte, fiel mir beim Stöbern zufällig dieses Buch in die Hände. Der Klappentext erfüllte erstmal überhaupt nicht meine durch den Titel “Who the Fuck Is Kafka” geweckten Erwartungen. Trotzdem war mein Interesse dadurch geweckt.

    Die jüdische Autorin Lizzie Doron schildert in ihrem Roman die Situation der (in Jerusalem lebenden) jüdischen und palästinensischen Gesellschaft mit sich selbst und dem fiktiven Helden Nadim Abu Heni in den Hauptrollen. Damit war auch das Genre für mich erstmal unerwartet, was mich beim Lesen der ersten paar Seiten auch ziemlich verwirrte.

    Es handelt sich eindeutig um einen Roman, der aber als eine Art fiktive Biographie der Autorin verfasst ist. Ganz zu beginn schreibt Doron dazu auch kurz, dass die Figur des Nadim lediglich ein fiktiver Held sei, sie ihn jedoch erdacht hat auf Grundlage vieler ihrer palästinensischer Freunde.

    Die eigentliche Handlung beginnt damit, dass die Protagonistin auf einen Friedenskongress nach Rom reist, an dessen Erfolg für den Nahost-Konflikt sie selbst nicht glauben kann. Während sie immer wieder mit den vorschnellen Ansichten der europäischen Teilnehmer konfrontiert wird, lernt sie bald den Palästinenser Nadim kennen. Zunächst ist er ihr suspekt, auch weil die Mehrheit der Anwesenden sich schnell auf seine Seite der Sicht stellt, als er sie jedoch vor einem eskalierenden Konflikt “rettet” und sie zusammen essen gehen, fangen die beiden an sich anzunähern.

    Danach beginnt eine durchaus holprige Freundschaft, die immer wieder droht von politischen Konflikten überschattet zu werden. Dabei verdeutlicht Doron wunderbar, dass auf der einen Seite die ganze Problematik komplexer ist, als uns von hier aus dem entfernten Europa bewusst ist, aber auch auf der anderen Seite auch die für die meisten Konflikte geltende Wahrheit, dass es alles so einfach sein könnte, wenn alle sich selbst ein bisschen mehr zurücknehmen würden und mehr Verständnis für den Gegenüber entwickeln würden.

    Die beiden Protagonisten haben eben damit immer wieder zu kämpfen. Sie kämpfen gegen ihre eigenen Vorurteile und Ängste, aber auch gegen die ihrer Mitmenschen, wobei sie sich Stück für Stück mehr aus ihrer eigenen Komfortzone hinaus wagen.

    Lizzie Doron zeigt in ihrem Buch keine politischen Lösungen auf und auch die Situation ihrer beiden Helden wird nicht aufgelöst, scheint im Gegenteil geradezu aussichtslos. Aber sie erweckt in ihrer Geschichte Verständnis für die beteiligten Parteien und Mitgefühl für die Leidtragenden solcher Auseinandersetzungen.

    Obwohl die Jerusalem-Problematik bei mir in der Schule angesprochen wurde, habe ich mich nie intensiver damit beschäftigt. Beim Lesen war ich jedoch sofort voll involviert in das Geschehen, ohne dass ich irgendeinen persönlichen Bezug dazu hätte.

    “Who the Fuck is Kafka” war eines der Bücher, die mich zum Nachdenken angeregt haben und auch ein Buch, das man nicht einfach zur Seite legt, um es zu vergessen.

    Es war für mich eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen damit ein Stückchen über seinen eigenen Tellerrand hinüber zu schauen.

     

    Lizzie Doron: „Who the Fuck is Kafka“. dtv. 264 S., 9,90€

  • Biografisches,  Gegenwartsliteratur

    Die Sünde der Frau

    Als großer Fan von 50er-Jahre-Filmen, liebe ich natürlich auch die Filme mit Marilyn Monroe, insbesondere in einer ihrer Paraderollen in “Some like it hot” von Billy Wilder. Als ich also nach neuem Lesestoff für den Sommer gesucht habe, fiel mir “Die Sünde der Frau” von der niederländischen Autorin Connie Palmen mit Marilyn auf dem Cover sofort ins Auge und weckte mein Interesse.

    Palmen schreibt allerdings nicht nur über Leinwandlegende Monroe, sondern handelt in drei weiteren kurzen Essays auch noch das Leben von Patricia Highsmith, Jane Bowles und Marguerite Duras ab. Der Gemeinsamkeiten die die Autorin dabei aufzeigen möchte sind laut eigener Aussage “Originalität, Ruhm und Selbstzerstörung”.

    Da ich mich mit den anderen drei Damen bis dato noch nicht weiter auseinandergesetzt hatte, war es interessant einen Einblick in die Biographie dieser drei Künstlerinnen zu bekommen, auch wenn dieser natürlich aufgrund der Kürze der Essays nur sehr oberflächlich ausgefallen ist. Dadurch wurde ich allerdings neugierig und habe selber noch ein wenig weiter im Internet recherchiert.  

    Als “die Sünde” der Frau(en) in ihrem Werk sieht Palmen die Unfähigkeit ihrer Protagonistinnen, sich der ihnen durch ihre Zeit vorgegebenen Rolle als Frau anzupassen. Keine von ihnen gab die ordentliche Hausfrau und Mutter, sondern führte stattdessen ein Leben ihrer Kunst (und dem Laster) gewidmet.

    Das ist in Zeiten, in denen von Gleichberechtigung noch keine Rede war, beeindruckend und inspirierend, allerdings hat mich die teils einseitige Analyse leicht gestört. Wir bekommen das Bild der tragischen Heldin serviert, die logischerweise, da sie sich gegen ihre Lebensumstände aufgelehnt hat, als Quittung dafür die Konsequenz tragen muss: ein Leben voller Tragödien, einschließlich einem tragischem Ende. Dabei wird bei allen vier Frauen besonderen Wert darauf gelegt, dass dieses Schicksal schon durch eine Kindheit ohne Vater , stattdessen aber einer “unfähigen” Mutter vorherzusehen war. Das erscheint mir rührselig und banal, wenn man bedenkt, dass es doch um die Originalität dieser Frauen ging. Sicherlich ist ihre Kindheit prägend gewesen, jedoch hat Palmen ein bisschen sehr viel Freudsche Psychoanalyse in ihrem Werk betrieben.

    Mein Fazit also: “Die Sünde der Frau” lenkt den Blick zwar auf vier interessante Persönlichkeiten, ist aber insgesamt betrachtet recht flach geschrieben.  

     

    Connie Palmen: „Die Sünde der Frau“ .Diogenes. 96 S., 20,00€