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    Meine Bücher im Mai

    Wir befinden uns zwar schon mitten im Juni, aber da es bei mir eben immer etwas chaotisch zugeht, kommen nachfolgend trotzdem noch meine Bücher des Monats Mai.

    Hanna Lemke – Gesichertes – Stories

    Nichts ist gesichert in diesen Geschichten, die Liebe nicht und schon gar nicht das Einkommen. Die jungen Frauen und Männer ziehen durch die Clubs und Kneipen der Städte genauso wie durch ihre Wohngemeinschaften und Jobs. Zu jung, um etabliert, zu alt, um sorglos zu sein, lassen sie sich treiben durch eine Welt voll verbrauchter Gesten und beobachten dabei mit verstörender Empfindsamkeit sich selbst und die anderen. Alles, was Georg besitzt, passt in eine Reisetasche, und wenn ihm langweilig wird, zieht er wieder aus. Doch solange er da ist, ist es schön. Katrin sieht überall Idioten, eigentlich müsste sie immer eine Knarre dabei haben. Und das Glück, das Milan immer hatte, auch bei seinem Autounfall, wollte er vermutlich gar nicht. In einer eindringlich konzentrierten Sprache erkundet Hanna Lemke die zufälligen Begegnungen und brechenden Beziehungen, die Stimmungen, Spannungen und Unsicherheiten an den Randgebieten einer Jugend, die nicht enden will, und erzählt von der existenziellen Suche nach einer Haltung, die keine Pose ist.

    Viel muss ich hierzu ja nicht mehr sagen, meine Meinung habe ich in der Rezension bereits schon deutlich gesagt. Ich kann vielleicht verstehen, was mancher in den Geschichten sehen mag, aber ich würde es nicht weiter empfehlen.

    Fazit: ★★ von 5

    Stefanie de Velasco – Tigermilch

    Nini und Jameelah leben in derselben Siedlung, sie sind unzertrennlich und mit ihren 14 Jahren eigentlich erwachsen, finden sie. Deswegen kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen, wenn sie ganz cool und pomade auf die Kurfürsten gehen, um für das Projekt Entjungferung zu üben. Sie mischen Milch, Mariacron und Maracujasaft auf der Schultoilette. Sie nennen das Tigermilch und streifen durch den Sommer, der ihr letzter gemeinsamer sein könnte. Die beiden Freundinnen lassen sich durch die Hitze treiben, sie treffen nicht Tom Sawyer oder Huck Finn, aber hängen mit Nico ab. Nico, der in der ganzen Stadt „Sad“ an die Wände malt und Nini ein Gefühl von Zuhause gibt. Sie machen Bahnpartys, rauchen Ott in Telefonzellen und gehen mit Amir ins Schwimmbad. Amir, den sie beschützen wie einen kleinen Bruder. Und dessen großer Bruder Tarik im Dauerstreit mit seiner Schwester liegt, weil diese sich in einen Serben verliebt hat.

    Ein typischer Coming-of-Age-Roman, also gar nicht mein Genre. Auch hier hatte ich mir das Buch nicht selbst ausgewählt, sondern es für ein Seminar gelesen, fand es dann aber am Ende besser als gedacht. Es war definitiv schockierend zu lesen, da die angeschnittenen Themen doch sehr provokant sind. Nichts desto trotz finde ich es lesenswert. Ein Fan von solchen Jugendbüchern werde ich wohl trotzdem nicht werden.  

    Fazit: ★★★★ von 5

    Heinrich von Kleist – Das Erdbeben in Chili

    »Das Erdbeben in Chili«, erschienen im Jahr 1807 unter dem Titel »Jeronimo und Josephe. Eine Scene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647«, ist die erste gedruckte Erzählung Heinrich von Kleists. Eine fürchterliche Naturkatastrophe, die mit dem Schicksal von Jeronimo Rugera und Donna Josephe verknüpft ist, führt zu einer Rettung der beiden aus dem Gefängnis; doch die Geschichte endet in einer schrecklichen menschlichen Katastrophe.

    Ein deutscher Klassiker, der sicherlich nicht schadet. Es ist immer erstmal etwas gewöhnungsbedürftig solche älteren Werke zu lesen, einfach aufgrund der Sprache und der historischen Distanz. Aber auch Kleist gehört zum deutschen Kulturgut und ist nicht umsonst noch heute bekannt. Die Relevanz seiner Werke ist zeitlos, die Gestaltung ist extrem vielschichtig und faszinierend.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Dirk Kurbjuweit – Zweier ohne

    Über sieben Jahre hinweg wächst die Freundschaft zwischen Johann und dem gleichaltrigen Ludwig. Bis wir Zwillinge sind, sagt Ludwig, denn nur so haben sie beim Ruder-Wettkampf im Zweier ohne gegen die echten Zwillinge aus Potsdam eine reelle Chance. Als Johann mit Ludwigs Schwester Vera schläft, versucht er es vor Ludwig zu verbergen. Der wird immer seltsamer. Statt zu fasten für den Wettkampf, beginnt er maßlos zu fressen. Er klettert auch immer häufiger hinauf zur Brücke, von der sich manchmal nachts die Selbstmörder stürzen.

    Teilweise war die Handlung etwas zäh, aber trotzdem fand ich es insgesamt spannend. Besonders die Auflösung der dreier Konstellation hat mich überzeugt. Für mich war es jedoch eher ein Jungenbuch, aus diesem Grund konnte ich mich nicht ganz hineinversetzen in den Protagonisten.  

    Fazit: ★★★★ von 5

    Maxim Biller– Sechs Koffer

    In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks.

    Maxim Biller war zwischen meinen ganzen Pflichtlektüren eine echte Entdeckung für mich. Zum einen hat mich die Thematik wahnsinnig interessiert (Sozialismus, KGB, Ost-West-Trennung) , auf der anderen war Billers Vermischung von Wahrheit und Fiktion, die verschiedenen Perspektiven, sowie die verschiedenen Vor- und Rückblenden äußerst kunstvoll gestaltet. “Sechs Koffer” war letztes Jahr zurecht auf der Short List des Deutschen Buchpreises.

    Fazit: ★★★★★ von 5

    Agatha Christie – N oder M ? – Ein Fall für Tommy und Tuppence

    Niemand würde hinter Tommy und Tuppence Beresford ein ausgefuchstes Ermittlerduo vermuten – doch genau das sind sie. Und weil sie so harmlos daherkommen, werden sie kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erneut vom britischen Geheimdienst angeheuert. Es hat den Anschein, als hätte sich ein deutscher Nazi als Maulwurf in die obersten Ränge des Geheimdienstes eingeschleust. Tommy und Tuppence müssen all ihr Geschick anwenden, um dem Spion auf die Schliche zu kommen und ihn zu enttarnen – und dabei nicht selbst aufzufliegen.

    Zunächst muss ich natürlich zugeben, Agatha Christies Krimis bereiten mir eigentlich immer großes Vergnügen beim Lesen. Sie ist halt die Queen of Crime! Aber dieses Buch von ihr hat mir besonders gut gefallen, da es sich um ein eher unbekannteres Ermittlerduo ihrerseits handelt. Ich nicht finde, dass sie Poirot oder Miss Marple nachstehen. Dabei ist nämlich gerade die Dynamik zwischen den beiden das spannende. Tuppence ist nämlich ganz im Sinne einer modernen, emanzipierten Frau, die Mutige und Risikobereitere der beiden. Ihr Mann Tommy dagegen muss sie oft zurückhalten, da er wesentlich besorgter ist.  Zusätzlich finde ich, der zeithistorische Hintergrund darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Christie veröffentlichte dieses Buch während dem 2. Weltkrieg, auch die Handlung ist dort angesiedelt. Das macht es für mich nochmal interessanter.

    Fazit: ★★★★★ von 5

  • Sonstiges

    Meine Bücher im April

    Ich bin eigentlich immer noch stark am Kämpfen, um zwischen der ganzen Hektik die Zeit und auch die Muße zum Lesen zu finden. Mein Studium macht mir das manchmal sehr schwer, aber da ich einen ganzen Stapel an Büchern für meine Seminare vorbereiten/lesen muss, hab ich eh keine Alternative. Das ist einerseits deprimierend, da ich somit nicht die von mir gewählten Bücher lesen kann. Andererseits entdecke ich dadurch auch Autoren/Bücher für mich, die sonst nicht auf meinem Radar gewesen wären. So diesen Monat z.B. Térezia Mora, die mir wider Erwarten gut gefallen hat. Den kompletten Überblick mit meinem Fazit findet ihr im Folgenden.

    Yoko Tawada – Sendbo-o-te

    Nach einer Katastrophe hat Japan die Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Die Nahrung ist dadurch eingeschränkt, ausländische Güter sind abgeschafft oder verboten. Selbst die Sprache der Bewohner wird dadurch bestimmt, Fremdwörter existieren nicht mehr und wenn, dann nur ins Japanische angepasst. In mitten dieser Situation lebt Yoshiro mit seinem Urenkel Mumey. Dieser ist wie auch die anderen Kinder krank geboren, die Alten leben dafür immer länger. Das müssen sie anscheinend auch, um sich um die Kinder kümmern zu können. Als der Alltag schwieriger wird, versucht eine geheime Organisation, ausgewählte Kinder als »Sendboten« ins Ausland zu schmuggeln – zu Forschungszwecken. Auch der liebenswerte aufgeweckte Mumey wird dafür ins Auge gefasst …

    Vorne weg: Das war meine erste Annäherung an japanische/asiatische Literatur. Ich bin den Umgang damit also nicht gewohnt, was sicherlich großen Einfluss auf mein Leseerlebnis mit diesem Buch hatte. Die für die westliche Literatur ungewöhnlich blumige Sprache hat mir sehr gut gefallen, aber auch hier fand ich die verwendeten Metaphern aus meiner Sicht exotisch gewählt. So ging es mir dann auch mit der Handlung, besonder gegen Ende blieb mir vieles unverständlich. Die (Zeit-)Sprünge in den Handlungen erschienen mir wahllos und dadurch hat sich mir auch Mumeys Schicksal nicht erschließen können. Möglicherweise werde ich “Sendbo-o-te noch einmal lesen müssen, um es in vollem Umfang begreifen zu können.

    Fazit: ★★ von 5

    Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

    Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen!

    Ich hatte den Roman bereits vor Jahren schon gelesen, vor allem weil ich den Film mit Audrey Hepburn schon immer sehr mochte, Allerdings ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass der Film Capotes Geschichte doch sehr rosarot zeichnet. Die unschuldig wirkende Hepburn lässt einen schnell den eher weniger unschuldigen Plot der Geschichte übersehen. Gerade in den prüden 50er Jahren handelte es sich dabei um einen ziemlichen Skandal.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Robert Menasse – Die Hauptstadt

    In seinem großen europäischen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.

    Das war jetzt mein zweiter Anlauf mit dem Buch und gerade die ersten 200 Seiten fand ich anstrengend. Es gab zu viele Personen und Schauplätze, um den Überblick zu behalten. Aber als ich mich dann endlich reingelesen hatte, war ich sehr fasziniert von Menasses Konzept. Er spinnt ein Netz aus verschiedensten Perspektiven, die sich am Ende zu einem großen ganzen Verdichten. Seine Gedanken zu Europas Zukunft finde ich sehr interessant, trotzdem gab es ein paar Handlungsstränge, für die ich mir eine konkretere Ausführung gewünscht hätte.   

    Fazit: ★★★★ von 5

    Agatha Christie – Der blaue Express

    Der Fahrplan stimmt, der Zeitplan auch. Ein perfekter Mord im Luxuszug Calais – Paris – Nizza. So scheint es. Nur eine kleine Unstimmigkeit lässt Hercule Poirots kleine graue Zellen nicht mehr ruhen: die Frage nämlich, warum das Gesicht der jungen Frau, Tochter eines amerikanischen Millionärs, nach ihrer Ermordung entstellt wurde.

    Christie schrieb diesen Poirot Krimi bereits ein paar Jahre vor einem ihrer bekanntesten Werke “Mord im Orientexpress”. Trotzdem steht “Der blaue Express” diesem in keinster Weise nach, auch beim zweiten Mal lesen habe ich wieder voll mitgefiebert. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer denn nun eigentlich der Mörder ist und da Christie auch aus der Perspektive der zwischen den zwei Verdächtigen stehenden Miss Katherine Grey erzählt, ist man umso gespannter auf die Auflösung.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Terézia Mora – Die Liebe unter Aliens: Erzählungen

    Mit virtuoser Nüchternheit erzählt Térezia Mora von der Verlorenheit der Menschen in unserer Gesellschaft, von Einsamkeit und Fremdheit – und von der Suche nach Wärme, Halt und den kleinen Momenten des Glücks.

    Kurzgeschichten lese ich von mir aus selten, das ist für mich sonst immer ein Deutschunterrichtsthema gewesen. Aus diesem Grund musste ich es als Lehramtsstudentin jetzt lesen und fand es gar nicht so schlimm. Ich konnte nicht mit jeder Erzählung etwas anfangen, aber mein Fazit ist überwiegend positiv. Mora trifft den Geist unserer Zeit, in der wir zwar alle Möglichkeiten haben, dafür aber oftmals gerade deshalb so verloren sind.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Michaela Karl – Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen

    New York City, 1955. High Heels klackern auf der 5th Avenue. Im Kleinen Schwarzen, mit Perlenkette und Beehive ist Maeve Brennan auf dem Weg in den New Yorker. Die Frau, die viele für die echte Holly Golightly halten, ist ein Star ihrer Zeit, gefeierte Autorin und New Yorker Fashion-Ikone. Doch ihr Lebensmotto lautet nicht umsonst: “Bis zum Chaos ist es nur ein kleiner Schritt…”.

    Was soll ich dazu noch groß sagen? Ich habe sicherlich in meinem Beitrag zu diesem Buch deutlich genug gemacht, wie sehr ich davon angetan war. Es enthält einfach alles, was ich mir in einem Buch wünsche. Es fängt den Glamour dieser Zeit auf und erinnert an eine außergewöhnliche Frau. Schlicht und ergreifend einfach ein tolles Buch!  

    Fazit: ★★★★★ von 5


  • Sonstiges

    Mein Lesemonat März

    Das Jahr hat für mich gefühlt erst begonnen und schon befinden wir uns im April. Aus diesem Grund gebe ich nun auch etwas verspätet einen Überblick über meinen Lesemonat März. Er war nicht besonders erfolgreich, da ich die letzten Wochen immer sehr beschäftigt war. Trotzdem kann ich zufrieden sein, ich hatte eine gute Bücherauswahl. Glücklicherweise war keines meiner gewählten Bücher ein wirklicher Reinfall.

    Paulo Coelho – Elf Minuten

    Wie berührt man die Seele? Durch Liebe oder durch Lust? Kann man die Seele wie einen Körper berühren und umgekehrt? Ein provozierendes modernes Märchen über die Alchemie der Liebe.

    Das war für mich diesen Monat das schwächste Buch. Es ist sicherlich nicht schlecht geschrieben, aber ich bin überhaupt nicht in die Handlung hinein gekommen und fand auch die Entscheidungen der Protagonistin nicht nachvollziehbar. Da haben mir andere Coelho-Werke deutlich besser gefallen als „Elf Minuten“.
    Fazit: ★★★ von 5

    Martin Suter – Der letzte Weynfeldt

    Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, großbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie außerhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass nichts ist, wie es scheint.

    Ich lese unheimlich gerne Suter und “Der letzte Weynfeldt” war einer seiner wenigen Romane, die ich bisher noch nicht gelesen hatte. Auch wenn ich denke, dass es nicht mein neuer Lieblings-Suter wird, habe ich es sehr, sehr gerne gelesen. Der herrliche Snobismus seines Helden, den ich schon in der Allmen-Reihe so liebe, hat mich immer wieder zum Grinsen gebracht.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Lizzie Doron – Ruhige Zeiten

    Leale, mittlerweile um die sechzig, wurde von ihren Eltern einst einer polnischen Bäuerin anvertraut und überlebte Krieg und Verfolgung in einem Erdloch. Gerade volljährig heiratete sie in Israel den polnischen Schneider Sulik, denn sie sehnte sich nach einer Familie. Die beiden bekommen einen Sohn. Aber, sagt Sulik: »Man braucht auch einen Beruf, um zu überleben.« Und wirklich, nach Suliks Tod rettet die Arbeit in Sajtschiks Friseursalon ihr das Leben. Dreißig Jahre lang manikürt Leale den Frauen des Viertels die Nägel, hört ihre Geschichten und ist Sajtschiks Vertraute. In diesem Friseursalon verdichtet sich alles, Gegenwart, Vergangenheit, Erinnerungen, Sehnsucht.

    Auch mein zweiter Doron-Roman hat mir gut gefallen. Gefühlsmäßig habe ich während des Lesen immer wieder zwischen Lachen und Weinen geschwankt. Obwohl man als Leser immer wieder ziemliche Zeitsprünge hinlegen muss, war ich vollkommen in meinem Lesefluss drinnen. Ich musste es einfach in einem Rutsch durchlesen. Schließlich bin ich allerdings sehr melancholisch zurück geblieben, da ich das Ende mit gemischten Gefühlen erfüllt hat.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Agatha Christie – Der Ball spielende Hund

    Als die wohlhabende Emily Arundell in ihrem Landhaus die Treppe hinunterstürzt, glauben alle, sie sei auf dem Ball ihres Terriers ausgerutscht. Emily aber hat ihre Verwandten unter Verdacht. Hat einer von ihnen versucht, sie zu ermorden? Noch im Krankenhaus schreibt sie einen Brief an Hercule Poirot. Als dieser bei ihm eintrifft, ist es für die alte Dame jedoch bereits zu spät. Doch auch Poirot glaubt nicht an einen Unfall …

    Ich denke nicht, dass Christie in diesem Fall einen ihrer raffiniertesten Plots geschrieben hat, auch wenn ich überhaut nicht auf die Lösung des Falls gekommen wäre. Allerdings hat sie mich damit überzeugt, dass sie den Hund des Mordopfers so schön in die Handlung integriert hat. Mit einem liebenswerten Vierbeiner kann man mich vermutlich meistens überzeugen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

    Michelle Obama – Becoming: Meine Geschichte

    „Es gibt noch so vieles, was ich nicht weiß, über Amerika, über das Leben, darüber, was die Zukunft bringen wird. Aber mich selbst kenne ich. Mein Vater Fraser hat mir beigebracht, hart zu arbeiten, viel zu lachen und immer Wort zu halten. Meine Mutter Marian hat mir gezeigt, wie ich mit meinem eigenen Kopf denken und meine Stimme einsetzen kann. Gemeinsam haben sie mir in unserer beengten Wohnung in der South Side von Chicago dazu verholfen, den Wert unserer Geschichte, meiner Geschichte, in der größeren Geschichte unseres Landes zu erkennen. Selbst dann, wenn das Leben weder schön noch perfekt ist. Selbst dann, wenn es realer ist, als einem eigentlich lieb wäre. Denn die eigene Geschichte ist etwas, das man hat, das man immer haben wird. Wir müssen sie nur für uns beanspruchen.“

    Das war sicherlich das Highlight meines Monats, deshalb hatte dieses Buch auch einen eigenen Beitrag verdient (siehe http://buchdschungel.de/?p=89 ). Ich finde, es ist zurecht eines der meistverkauften Bücher des Jahres. Ich würde es auch jedem ans Herz legen, es selbst einmal zu lesen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

  • Sonstiges

    Mein Besuch der Prager Kloster-Bibliothek

    Die letzte Zeit war es aufgrund der Prüfungen für mein Studium sehr stressig, deshalb konnte ich auch keine weiteren Beiträge schreiben. Nachdem das allerdings vorüber ist, habe ich mir zusammen mit meinem Freund einige schöne Tage in Prag gegönnt. Meine Großeltern wohnen dort in der Nähe, es war also nicht mein erster Besuch der tschechischen Hauptstadt, aber ich finde immer wieder neue interessante Orte. Diesmal hatte ich von einer schönen alten Bibliothek gehört, welche sich dort befinden sollte.

    Im Internet fand ich heraus, dass es sich dabei um die Bibliothek des Kloster Strahov handelte. Dieses stammt bereits aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, noch bis heute handelt es sich um eine Abtei des Ordens der Prämonstratenser. Die Bibliothek selbst besteht aus zwei Räumen: dem theologischen und dem philosophischen Saal. Darin sind einige Kostbarkeiten und Unikate enthalten, unter anderem auch das Evangeliar von Strahov, eine Handschrift aus dem 9./10. Jahrhundert.

    Ich liebe alte Bücher/Bibliotheken und war erstmal vollkommen euphorisch, zumal auch der Eintritt sehr günstig erschien.

    Es kam jedoch nicht ganz so wie erwartet…

    Da das Kloster nicht in der Nähe des Hotels lag, wollte ich es noch vor dem Check-in besuchen. Ich hatte mir auch extra viel Zeit eingeplant, um ja alles anschauen zu können.

    Wir kamen also pünktlich dort an, die Fahrt war gut verlaufen und auch das Kloster hatten wir sofort gefunden. Als erstes kleineres, aber schnell behobenes Problem stellten wir fest, dass die Zahlung nur Bar und in Kronen möglich war. Das war kein Drama, da sich in der Nähe ein Wechselautomat befanden. An der Kasse sah ich dann, dass man für die Möglichkeit zu fotografieren extra bezahlen musste. Ich haderte kurz mit mir, aber ich hatte schon fest eingeplant, dass ich dazu einen Beitrag für euch schreiben wollte. Also zahlte ich diese 50 Kronen ( ca. 2 €) natürlich.

    Um zu der Bibliothek zu gelangen, musste man über eine Treppe in das nächste Stockwerk. Wir stiegen also die Treppe hinauf und mussten erstmal feststellen, dass man von dort nicht viel weiter kam. Die Bibliotheksräume sahen zwar genauso malerisch aus wie auf Bildern, aber wenn man keine Führung gebucht hatte, konnte man nur von einem kleinen Flur aus durch die Eingangstüren schauen. Ich war darüber sehr enttäuscht, aber zumindest hatte ich noch die Chance auf ein paar gute Bilder.

    Dann kam jedoch auch noch Pech ins Spiel. Nach ein paar Fotos gab bereits der Akku meines Fotoapparates auf. Auch der Versuch mit der Handykamera scheiterte schnell, weil auch diese beschlossen hatte, ihre Funktion aufzugeben. Ich musste also hoffen, dass bei meinen wenigen Fotografien ein paar ordentliche dabei sein würden.

    Die Ergebnisse seht ihr im Anschluss:  

    Philosophischer Saal
    Theologischer Saal ( wenn auch mehr schlecht als recht sichtbar)

    Der Eintritt hat uns jeweils 60 Kronen gekostet, da wir den Studententarif nutzen konnten. Fotos musste ich, wie bereits erwähnt, nochmal extra zahlen.

    Weitere Informationen findet ihr auf:

    https://www.strahovskyklaster.cz/en/basic-information