• Belletristik,  Gegenwartsliteratur

    A Thing of Beauty

    Ihr, lieben Buchwürmer, diesmal stelle ich euch ein Buch vor, dass mir von Seiten des Verlages zugetragen wurde. Vor einigen Wochen hatte mir der Phantom Verlag netterweise ein Rezensionsexemplar ihres neu erschienenen Romans „A Thing of Beauty“ von Lilian Rogart zur Verfügung gestellt. Aufgrund von Zeitmangel hat es zwar etwas gedauert, aber hier möchte ich euch nun endlich darüber berichten.

    Bisher hatte ich weder von dem Verlag selbst noch von der Autorin etwas gehört, daher war ich sehr gespannt. Kleine Verlagshäuser haben es gegen die Mediengewalt der großen Konkurrenten immer schwerer, da war es schön auch mal ein relativ unbekanntes Werk in die Finger zu bekommen. Neugierig gemacht hatte mich aber auch die Aussage des Verlags, dass sie sich auf die Verbindung von Romanen und Rockmusik spezialisiert haben. Musik und Bücher sind schließlich ebenfalls meine beiden Passionen.

    Rogarts Debütroman erzählt aus der Sicht des junge Charles Rice, der gerade sein juristisches Staatsexamen abgeschlossen hat. Bevor er sich ins Berufsleben stürzt, möchte er zunächst noch mehr von der Welt erkunden. Dabei trifft er jedoch erstmal auf eine ehemalige Freundin seiner Eltern, Frances Dean. Diese hatte sich bereits in jungen Jahren einen Namen als Managerin zweier berühmter Rockbands gemacht, lebt nun aber völlig zurückgezogen auf ihrem Anwesen Ffrangcon Court. Auf eben diesem eröffnet sich für Charles eine völlig neue Welt. Dean hat sich in ihrer Abgeschiedenheit eine wunderbare Gartenanlage errichtet, die den angehenden Anwalt komplett in ihrem Bann zieht. Auf der anderen Seite lernt er durch Frances Dean jedoch auch die kontroverse und aufregende Welt der Rockmusik und des Musikgeschäfts kennen. Die beiden Bereiche sind so gegensätzlich, dass er nur schwer verstehen kann, wie Dean ein Teil von beidem ist. Das wird ihm vor allem bewusst, als diese sich in einem Pubkonzert von einer außergewöhnlichen Sängerin wieder von ihrem früheren Leben anstecken lässt und wieder als Managerin arbeiten möchte.  

    Dieser Spagat zwischen den beiden Themen des Romans gelingt der Autorin nur teilweise. Gerade in der ersten Hälfte steckt sie sehr viel Aufwand darein, den Garten möglichst detailliert zu beschreiben. Statt einer bildreichen Vorstellung führt das jedoch nur dazu, dass sie damit vermutlich nur echte Blumenliebhaber mitreisen kann. Ich selber musste mich mehr schlecht als recht. Der zweite Teil des Romans hat mir dagegen besser gefallen, denn mit Frances Deans Rückkehr in die Musikbranche nahm die Handlung endlich etwas mehr Fahrt auf. Ich war Neugierig darauf, wie sich ihr zweiter Anlauf im Berufsleben wohl entwickeln wird, aber auch ob dies einen negativen Einfluss auf ihre Freundschaft zu Charles nimmt. Das hat sich aus meiner Sicht, dann auch zufriedenstellend entwickelt.

    Trotzdem wäre es für weitere Werke von Lilian Rogart wünschenswert, weniger Zeit auf ausschweifende Detailbeschreibungen zu verwenden und stattdessen mehr Handlung zu integrieren. Auch hat sie viele interessante philosophische Fragestellungen über Gott, über Ästhetik oder die Natur des Künstlers. Allerdings werden zu viele Fragen aufgeworfen, sodass diese nur oberflächlich behandelt werden und stellenweise der Handlung aufgezwungen wirken.  

    Lilian Rogart: „A Thing of Beauty“. Phantom Verlag. 246 S., 20 €

  • Belletristik,  Gegenwartsliteratur

    Vom Aufwachsen in einer Glaubensgemeinschaft

    „Kein Teil der Welt“ heißt der neue Roman von Stefanie de Velasco und hat erstmal so gar nichts mit ihrem Erstlingswerk „Tigermilch“ gemeinsam. Während ihre beiden Heldinnen dort scheinbar vollkommen unbeaufsichtigt von Erwachsenen durch eine Welt voller Sex, Drogen und Gewalt streunen, dreht es sich diesmal um die überbehütete Esther. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ziehen deren Eltern mit ihr kurz nach der Wende in den Osten Deutschlands. Als treue Anhänger der Zeugen Jehovas möchten sie dort eine neue Gemeinde aufbauen, vor allem aber auch die vergangenen Geschehnisse hinter sich lassen. Esther tut sich damit jedoch schwer. Zu viel scheint geschehen zu sein, um einen wirklichen Neubeginn zu wagen. Was genau passiert ist, erfährt man beim Lesen zunächst aber lediglich bruchstückhaft. Klar ist nur, dass es mit ihrer Freundin Sulamith zusammenhängt. Seit Kindertagen waren die beiden Mädchen unzertrennlich, denn Kontakt zu Menschen außerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft haben die beiden kaum. Doch auch diese Freundschaft ist kein Teil von Esthers Welt mehr, was einen großen Verlust für sie darstellt. So versucht sie in ihrer neuen Heimat herauszufinden, was mit Sulamith passiert ist, stößt währenddessen jedoch auch auf eine Seite ihrer Familiengeschichte, die ihre Eltern vor ihr zu verheimlichen versuchten.

    Ich war sehr gespannt gewesen, was mich in Velascos neuen Roman erwarten würde und bin positiv überrascht worden. Die Thematik hatte mich anfangs etwas abgeschreckt. Ich fürchtete, es könnte möglicherweise theatralisch ausarten, aber das war zum Glück nicht der Fall. Einerseits erzählt sie wie beiläufig von dem streng durchorganisierten Alltag, bei dem jeder sich an Predigtdienst oder den wöchentlichen Zusammenkünften beteiligen muss, denn für Esther gehören diese schließlich zu ihrem Leben unweigerlich dazu. Andererseits gelingt es der Autorin sehr einfühlsam, den Leser auch auf der Gefühlsebene diese eher ungewöhnliche Welt spürbar zu machen. So ist vor allem Kälte ein stetig wiederkehrendes Motiv. Kalt scheinen die vor Ruß ergrauten Häuser der neuen Heimat, kalt sind die langen Predigtdienste im Winter, aber kalt scheint auch Esthers Verhältnis zu ihrer gefühlsarmen Mutter. Da beginnt man beim Lesen fast schon selbst zu frieren.   

    In all ihren Schilderungen schafft Velasco den Spagat, zwar die Absurditäten dessen aufzuzeigen, ohne jedoch diese ins Lächerliche zu ziehen. Möglicherweise liegt das daran, dass die Autorin hier ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet. Esthers Entwicklung hin zu Emanzipation wirkt auf mich sehr authentisch. Ein einziger Wermutstropfen wäre für mich, dass ich die familiären Verstrickungen teilweise als etwas unausgereift empfunden habe. Das hat jedoch dem ganzen keinen Abbruch getan, sodass ich „Kein Teil der Welt“ guten Gewissens weiterempfehlen würde.    

    Stefanie De Velasco: „Kein Teil der Welt“. Kiepenheuer & Witsch. 432 S., 22 €

  • Biografisches,  Female-Friday,  Gegenwartsliteratur

    Oh Simone!

    Hello again! Nach einer mittlerweile doch sehr langen Abwesenheit melde ich mich hiermit zurück und möchte damit gleichzeitig auch den Beginn einer neuen Reihe einleiten. „Female-Friday“ ist eine Idee, die ich schon länger plane, aber bisher noch nicht umgesetzt bekommen habe. Das heißt, ich möchte euch hier in regelmäßigen Abständen immer freitags Bücher von und/oder über interessante Frauen vorstellen. Über Anregungen eurerseits würde ich mich natürlich sehr freuen! 

    Den Start macht ein Buch, dass sowohl von als auch über eine Frau ist. „Oh Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten“ von Julia Korbik ist durch die Empfehlung einer Freundin in meine Hände geraten. Sie war so lieb, es mir auszuleihen. Aber bereits zuvor habe ich immer wieder über Simone de Beauvoir gehört und wollte unbedingt mehr über sie wissen. Gerade im Kontext des aktuell neu entflammten Feminismus fällt ihr Name oft. 

    Korbrik bietet mit ihrem Buch eine gute Grundlage um mehr über diese spannende Philosophin, Feministin und Schriftstellerin zu erfahren. In verschiedenen Kapiteln gibt sie einen Überblick über deren Biografie, aber geht dabei auch nochmals separat auf ihr literarisches Schaffen oder philosophisches Denken ein. Das hatte den Vorteil, dass ich einen Überblick über die verschiedenen Facetten der Beauvoir hatte. Aufgrund ihres vermutlich bekanntesten Werkes „Das andere Geschlecht“ werden diese gerne vergessen. So geht Korbik auch auf Beauvoirs äußerst emanzipiertes und revolutionäres Liebesleben ein. Diese war trotz einiger Anträge ihr ganzes Leben lang unverheiratet, erhielt darüber hinaus auch gerne Beziehungen zu verschiedenen Frauen. 

    Innerhalb dieser Abschnitte erhält man außerdem in einer Art Info-Kasten Hintergrundinformationen. So stellt sie beispielsweise auch deren langjährigen Lebensgefährten Jean-Paul Satre, aber auch andere Freunde, Weggefährten oder philosophische Ansätze näher vor. Das hat an vielen Stellen meine Neugier geweckt, mich auch mit diesen Personen oder Themen noch einmal eingehender zu beschäftigen. 

    Das hatte aber auch zur Folge, dass es möglicherweise ratsam ist, sich mit diesem Buch Zeit zu lassen. Ich fand es unheimlich informationsreich, dadurch aber auch recht intensiv. Korbik hat einen angenehmen Schreibstil, aber gerade für manche philosophischen Ansätze brachte ich manchmal etwas, um einen Überblick bei allem zu behalten. Das ist aber okay, denn wie bereits gesagt, möchte ich mich mit einigen Inhalten des Buches nochmals näher beschäftigen. 

    Ihr Ziel hat die Autorin also erreicht. Mich hat sie tatsächlich überzeugt, dass ich Simone de Beauvoir für mich entdecken möchte/sollte.   

    Julia Korbik: „Oh Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdeckten sollten“. Rowohlt Verlag. 320 S., 13 €

  • Blog,  Sonstiges

    Meine Bücher im Mai

    Wir befinden uns zwar schon mitten im Juni, aber da es bei mir eben immer etwas chaotisch zugeht, kommen nachfolgend trotzdem noch meine Bücher des Monats Mai.

    Hanna Lemke – Gesichertes – Stories

    Nichts ist gesichert in diesen Geschichten, die Liebe nicht und schon gar nicht das Einkommen. Die jungen Frauen und Männer ziehen durch die Clubs und Kneipen der Städte genauso wie durch ihre Wohngemeinschaften und Jobs. Zu jung, um etabliert, zu alt, um sorglos zu sein, lassen sie sich treiben durch eine Welt voll verbrauchter Gesten und beobachten dabei mit verstörender Empfindsamkeit sich selbst und die anderen. Alles, was Georg besitzt, passt in eine Reisetasche, und wenn ihm langweilig wird, zieht er wieder aus. Doch solange er da ist, ist es schön. Katrin sieht überall Idioten, eigentlich müsste sie immer eine Knarre dabei haben. Und das Glück, das Milan immer hatte, auch bei seinem Autounfall, wollte er vermutlich gar nicht. In einer eindringlich konzentrierten Sprache erkundet Hanna Lemke die zufälligen Begegnungen und brechenden Beziehungen, die Stimmungen, Spannungen und Unsicherheiten an den Randgebieten einer Jugend, die nicht enden will, und erzählt von der existenziellen Suche nach einer Haltung, die keine Pose ist.

    Viel muss ich hierzu ja nicht mehr sagen, meine Meinung habe ich in der Rezension bereits schon deutlich gesagt. Ich kann vielleicht verstehen, was mancher in den Geschichten sehen mag, aber ich würde es nicht weiter empfehlen.

    Fazit: ★★ von 5

    Stefanie de Velasco – Tigermilch

    Nini und Jameelah leben in derselben Siedlung, sie sind unzertrennlich und mit ihren 14 Jahren eigentlich erwachsen, finden sie. Deswegen kaufen sie sich Ringelstrümpfe, die sie bis zu den Oberschenkeln hochziehen, wenn sie ganz cool und pomade auf die Kurfürsten gehen, um für das Projekt Entjungferung zu üben. Sie mischen Milch, Mariacron und Maracujasaft auf der Schultoilette. Sie nennen das Tigermilch und streifen durch den Sommer, der ihr letzter gemeinsamer sein könnte. Die beiden Freundinnen lassen sich durch die Hitze treiben, sie treffen nicht Tom Sawyer oder Huck Finn, aber hängen mit Nico ab. Nico, der in der ganzen Stadt „Sad“ an die Wände malt und Nini ein Gefühl von Zuhause gibt. Sie machen Bahnpartys, rauchen Ott in Telefonzellen und gehen mit Amir ins Schwimmbad. Amir, den sie beschützen wie einen kleinen Bruder. Und dessen großer Bruder Tarik im Dauerstreit mit seiner Schwester liegt, weil diese sich in einen Serben verliebt hat.

    Ein typischer Coming-of-Age-Roman, also gar nicht mein Genre. Auch hier hatte ich mir das Buch nicht selbst ausgewählt, sondern es für ein Seminar gelesen, fand es dann aber am Ende besser als gedacht. Es war definitiv schockierend zu lesen, da die angeschnittenen Themen doch sehr provokant sind. Nichts desto trotz finde ich es lesenswert. Ein Fan von solchen Jugendbüchern werde ich wohl trotzdem nicht werden.  

    Fazit: ★★★★ von 5

    Heinrich von Kleist – Das Erdbeben in Chili

    »Das Erdbeben in Chili«, erschienen im Jahr 1807 unter dem Titel »Jeronimo und Josephe. Eine Scene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647«, ist die erste gedruckte Erzählung Heinrich von Kleists. Eine fürchterliche Naturkatastrophe, die mit dem Schicksal von Jeronimo Rugera und Donna Josephe verknüpft ist, führt zu einer Rettung der beiden aus dem Gefängnis; doch die Geschichte endet in einer schrecklichen menschlichen Katastrophe.

    Ein deutscher Klassiker, der sicherlich nicht schadet. Es ist immer erstmal etwas gewöhnungsbedürftig solche älteren Werke zu lesen, einfach aufgrund der Sprache und der historischen Distanz. Aber auch Kleist gehört zum deutschen Kulturgut und ist nicht umsonst noch heute bekannt. Die Relevanz seiner Werke ist zeitlos, die Gestaltung ist extrem vielschichtig und faszinierend.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Dirk Kurbjuweit – Zweier ohne

    Über sieben Jahre hinweg wächst die Freundschaft zwischen Johann und dem gleichaltrigen Ludwig. Bis wir Zwillinge sind, sagt Ludwig, denn nur so haben sie beim Ruder-Wettkampf im Zweier ohne gegen die echten Zwillinge aus Potsdam eine reelle Chance. Als Johann mit Ludwigs Schwester Vera schläft, versucht er es vor Ludwig zu verbergen. Der wird immer seltsamer. Statt zu fasten für den Wettkampf, beginnt er maßlos zu fressen. Er klettert auch immer häufiger hinauf zur Brücke, von der sich manchmal nachts die Selbstmörder stürzen.

    Teilweise war die Handlung etwas zäh, aber trotzdem fand ich es insgesamt spannend. Besonders die Auflösung der dreier Konstellation hat mich überzeugt. Für mich war es jedoch eher ein Jungenbuch, aus diesem Grund konnte ich mich nicht ganz hineinversetzen in den Protagonisten.  

    Fazit: ★★★★ von 5

    Maxim Biller– Sechs Koffer

    In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks.

    Maxim Biller war zwischen meinen ganzen Pflichtlektüren eine echte Entdeckung für mich. Zum einen hat mich die Thematik wahnsinnig interessiert (Sozialismus, KGB, Ost-West-Trennung) , auf der anderen war Billers Vermischung von Wahrheit und Fiktion, die verschiedenen Perspektiven, sowie die verschiedenen Vor- und Rückblenden äußerst kunstvoll gestaltet. “Sechs Koffer” war letztes Jahr zurecht auf der Short List des Deutschen Buchpreises.

    Fazit: ★★★★★ von 5

    Agatha Christie – N oder M ? – Ein Fall für Tommy und Tuppence

    Niemand würde hinter Tommy und Tuppence Beresford ein ausgefuchstes Ermittlerduo vermuten – doch genau das sind sie. Und weil sie so harmlos daherkommen, werden sie kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erneut vom britischen Geheimdienst angeheuert. Es hat den Anschein, als hätte sich ein deutscher Nazi als Maulwurf in die obersten Ränge des Geheimdienstes eingeschleust. Tommy und Tuppence müssen all ihr Geschick anwenden, um dem Spion auf die Schliche zu kommen und ihn zu enttarnen – und dabei nicht selbst aufzufliegen.

    Zunächst muss ich natürlich zugeben, Agatha Christies Krimis bereiten mir eigentlich immer großes Vergnügen beim Lesen. Sie ist halt die Queen of Crime! Aber dieses Buch von ihr hat mir besonders gut gefallen, da es sich um ein eher unbekannteres Ermittlerduo ihrerseits handelt. Ich nicht finde, dass sie Poirot oder Miss Marple nachstehen. Dabei ist nämlich gerade die Dynamik zwischen den beiden das spannende. Tuppence ist nämlich ganz im Sinne einer modernen, emanzipierten Frau, die Mutige und Risikobereitere der beiden. Ihr Mann Tommy dagegen muss sie oft zurückhalten, da er wesentlich besorgter ist.  Zusätzlich finde ich, der zeithistorische Hintergrund darf auch nicht außer Acht gelassen werden. Christie veröffentlichte dieses Buch während dem 2. Weltkrieg, auch die Handlung ist dort angesiedelt. Das macht es für mich nochmal interessanter.

    Fazit: ★★★★★ von 5

  • Belletristik,  Blog,  Gegenwartsliteratur

    Gesichertes – Stories

    Egoistisch, verweichlicht, arbeitsscheu – das sind ein paar der Klischees, die gerne der Generation Y nachgesagt werden. Die viel kritisierte Generation, die in den 80er Jahren bis Ende der 90er geboren wurde. Auch die 1981 in Wuppertal geborene Hanna Lemke ist Teil davon und geht in ihrem Debütwerk “Gesichertes” dem Lebensgefühl dieser Bevölkerungsgruppe nach. Da könnte man erwarten, die Autorin würde sich und ihre Zeitgenossen möglicherweise in ein besseres Licht rücken. Doch weit gefehlt, sie bestärkt sie im Gegenteil noch.

    So beschreibt sie sich selbst laut der FAZ als ein „völlig ambitionsloser Mensch“, dies wird auch in den Figuren ihrer Erzählungen deutlich spürbar.

    So geht es in der titelgebenden Geschichte beispielsweise um den umtriebigen Georg, dessen gesamter Besitz in eine Reisetasche passt. Weiter heißt es über ihn: “Seit Jahren fing Georg immer wieder etwas an und hörte, wenn es ihm langweilig wurde, damit auf; eine Ausbildung, ein Studium, einen Job und, zuletzt, ein Leben bei mir.” Dies ist ein roter Faden, der sich durch die komplette Kurzgeschichtensammlung zieht. Entgegen dem Titel ist in den Leben der (meist nicht) handelnden Figuren nichts gesichert. Weder das Einkommen, noch die Liebe. So verspricht es schon der Klappentext.

    Von 2002 bis 2006 studierte Lemke am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Den gezielten Einsatz von Worten hat sie dort anscheinend gelernt. Trotz einer knappen, aber präzisen Sprache, wirken ihre Situationsbeschreibungen sehr bildhaft. Sie kommt dabei ohne viele Schnörkel aus. Minimalismus zeichnet ihren Stil aus. So sind alle ihre Texte nur auf das Wesentlichste reduziert, wenn nicht noch weniger. Das ist zweifellos eine Kunst, der Grad zum Nichtssagend-Sein jedoch schmal. Und hier besteht auch das Hauptproblem. So abrupt wie sie anfangen, enden ihre Szenarien auch wieder, um dann schon wieder vergessen zu werden. Eine nachhaltiger Eindruck bleibt genauso verwehrt, wie der Zugang zu den Protagonisten.

    Durch die wenigen enthaltenen Informationen, oft bleibt selbst das Geschlecht der ich-Erzähler im Verborgenen, entsteht eine Distanz, die auch die Protagonisten selbst in ihrem Leben zu haben scheinen. Dadurch fällt es jedoch auch schwer, ein Verständnis für deren Handeln zu entwickeln.

    Auch in “Die Liebe unter Aliens” von Terezia Mora ist Einsamkeit und zwischenmenschliche Distanz ein Thema. Mora schafft es jedoch, dass man für die von ihr kreierten gescheiterten Existenzen Empathie entwickeln kann. Manchmal sogar Hoffnung sieht. Bei Lemke entsteht dagegen überwiegend Unverständnis für diese überwältigende Handlungsunfähigkeit.    

    Literatur darf und soll sicherlich mit Erwartungen brechen. Durch den Bruch mit Bewährtem entsteht schließlich Fortschritt und Innovation. Doch die Essenz einer Erzählung, den Relevanzpunkt, gänzlich zu streichen, ist gewagt. Wenn die Handlung so minimiert wird, dass jegliche Erzählwürdigkeit verloren scheint, was bleibt dann noch ?


    Hanna Lemke: „Gesichertes – Stories“. Verlag Antje Kunstmann. 192 S., 17,90 €

  • Sonstiges

    Meine Bücher im April

    Ich bin eigentlich immer noch stark am Kämpfen, um zwischen der ganzen Hektik die Zeit und auch die Muße zum Lesen zu finden. Mein Studium macht mir das manchmal sehr schwer, aber da ich einen ganzen Stapel an Büchern für meine Seminare vorbereiten/lesen muss, hab ich eh keine Alternative. Das ist einerseits deprimierend, da ich somit nicht die von mir gewählten Bücher lesen kann. Andererseits entdecke ich dadurch auch Autoren/Bücher für mich, die sonst nicht auf meinem Radar gewesen wären. So diesen Monat z.B. Térezia Mora, die mir wider Erwarten gut gefallen hat. Den kompletten Überblick mit meinem Fazit findet ihr im Folgenden.

    Yoko Tawada – Sendbo-o-te

    Nach einer Katastrophe hat Japan die Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Die Nahrung ist dadurch eingeschränkt, ausländische Güter sind abgeschafft oder verboten. Selbst die Sprache der Bewohner wird dadurch bestimmt, Fremdwörter existieren nicht mehr und wenn, dann nur ins Japanische angepasst. In mitten dieser Situation lebt Yoshiro mit seinem Urenkel Mumey. Dieser ist wie auch die anderen Kinder krank geboren, die Alten leben dafür immer länger. Das müssen sie anscheinend auch, um sich um die Kinder kümmern zu können. Als der Alltag schwieriger wird, versucht eine geheime Organisation, ausgewählte Kinder als »Sendboten« ins Ausland zu schmuggeln – zu Forschungszwecken. Auch der liebenswerte aufgeweckte Mumey wird dafür ins Auge gefasst …

    Vorne weg: Das war meine erste Annäherung an japanische/asiatische Literatur. Ich bin den Umgang damit also nicht gewohnt, was sicherlich großen Einfluss auf mein Leseerlebnis mit diesem Buch hatte. Die für die westliche Literatur ungewöhnlich blumige Sprache hat mir sehr gut gefallen, aber auch hier fand ich die verwendeten Metaphern aus meiner Sicht exotisch gewählt. So ging es mir dann auch mit der Handlung, besonder gegen Ende blieb mir vieles unverständlich. Die (Zeit-)Sprünge in den Handlungen erschienen mir wahllos und dadurch hat sich mir auch Mumeys Schicksal nicht erschließen können. Möglicherweise werde ich “Sendbo-o-te noch einmal lesen müssen, um es in vollem Umfang begreifen zu können.

    Fazit: ★★ von 5

    Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

    Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben. Mit charmanter Keckheit und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich zwischen Bohemiens, Playboys, Gin und Rosen durch und bleibt sich und ihrem Herzen treu. Und manchmal, wenn sie die unbestimmte Furcht vor dem Leben packt, dann hilft nur eins: schleunigst zum Juwelier Tiffany gehen!

    Ich hatte den Roman bereits vor Jahren schon gelesen, vor allem weil ich den Film mit Audrey Hepburn schon immer sehr mochte, Allerdings ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass der Film Capotes Geschichte doch sehr rosarot zeichnet. Die unschuldig wirkende Hepburn lässt einen schnell den eher weniger unschuldigen Plot der Geschichte übersehen. Gerade in den prüden 50er Jahren handelte es sich dabei um einen ziemlichen Skandal.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Robert Menasse – Die Hauptstadt

    In seinem großen europäischen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen.

    Das war jetzt mein zweiter Anlauf mit dem Buch und gerade die ersten 200 Seiten fand ich anstrengend. Es gab zu viele Personen und Schauplätze, um den Überblick zu behalten. Aber als ich mich dann endlich reingelesen hatte, war ich sehr fasziniert von Menasses Konzept. Er spinnt ein Netz aus verschiedensten Perspektiven, die sich am Ende zu einem großen ganzen Verdichten. Seine Gedanken zu Europas Zukunft finde ich sehr interessant, trotzdem gab es ein paar Handlungsstränge, für die ich mir eine konkretere Ausführung gewünscht hätte.   

    Fazit: ★★★★ von 5

    Agatha Christie – Der blaue Express

    Der Fahrplan stimmt, der Zeitplan auch. Ein perfekter Mord im Luxuszug Calais – Paris – Nizza. So scheint es. Nur eine kleine Unstimmigkeit lässt Hercule Poirots kleine graue Zellen nicht mehr ruhen: die Frage nämlich, warum das Gesicht der jungen Frau, Tochter eines amerikanischen Millionärs, nach ihrer Ermordung entstellt wurde.

    Christie schrieb diesen Poirot Krimi bereits ein paar Jahre vor einem ihrer bekanntesten Werke “Mord im Orientexpress”. Trotzdem steht “Der blaue Express” diesem in keinster Weise nach, auch beim zweiten Mal lesen habe ich wieder voll mitgefiebert. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer denn nun eigentlich der Mörder ist und da Christie auch aus der Perspektive der zwischen den zwei Verdächtigen stehenden Miss Katherine Grey erzählt, ist man umso gespannter auf die Auflösung.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Terézia Mora – Die Liebe unter Aliens: Erzählungen

    Mit virtuoser Nüchternheit erzählt Térezia Mora von der Verlorenheit der Menschen in unserer Gesellschaft, von Einsamkeit und Fremdheit – und von der Suche nach Wärme, Halt und den kleinen Momenten des Glücks.

    Kurzgeschichten lese ich von mir aus selten, das ist für mich sonst immer ein Deutschunterrichtsthema gewesen. Aus diesem Grund musste ich es als Lehramtsstudentin jetzt lesen und fand es gar nicht so schlimm. Ich konnte nicht mit jeder Erzählung etwas anfangen, aber mein Fazit ist überwiegend positiv. Mora trifft den Geist unserer Zeit, in der wir zwar alle Möglichkeiten haben, dafür aber oftmals gerade deshalb so verloren sind.

    Fazit: ★★★★ von 5

    Michaela Karl – Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen

    New York City, 1955. High Heels klackern auf der 5th Avenue. Im Kleinen Schwarzen, mit Perlenkette und Beehive ist Maeve Brennan auf dem Weg in den New Yorker. Die Frau, die viele für die echte Holly Golightly halten, ist ein Star ihrer Zeit, gefeierte Autorin und New Yorker Fashion-Ikone. Doch ihr Lebensmotto lautet nicht umsonst: “Bis zum Chaos ist es nur ein kleiner Schritt…”.

    Was soll ich dazu noch groß sagen? Ich habe sicherlich in meinem Beitrag zu diesem Buch deutlich genug gemacht, wie sehr ich davon angetan war. Es enthält einfach alles, was ich mir in einem Buch wünsche. Es fängt den Glamour dieser Zeit auf und erinnert an eine außergewöhnliche Frau. Schlicht und ergreifend einfach ein tolles Buch!  

    Fazit: ★★★★★ von 5


  • Biografisches

    Die Frau hinter Holly Golightly

    Ich muss gestehen, ich habe noch nie zuvor etwas von Maeve Brennan gehört. Genauso wenig kannte ich bisher Michaela Karl. Zum Glück hat sich das dank dem Hoffmann & Campe Verlag vor Kurzem geändert. Beide Damen haben mich nämlich nachhaltig überzeugt. In dem Buch mit dem vielversprechenden Titel “Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen” von Michaela Karl geht es um “die Frau, die viele für die echte Holly Golightly halten”. Also jene legendäre Roman-/Filmheldin aus “Breakfast at Tiffany’s”. Den meisten ist sie als bekannteste Rolle Audrey Hepburns ein Begriff.

    In der Tat ist es so, dass man zwischen Brennan und Golightly Parallelen finden kann. Alleinige Vorlage ist sie jedoch sicherlich nicht. Capote selbst sagte über seine Heldin lediglich, sie sei durch verschiedenen Frauen seines Bekanntenkreises inspiriert gewesen. Dazu gehörte vermutlich Brennan, aber auch Capotes Mutter, Gloria Vanderbilt sowie verschiedene andere Damen.

    Das ist ein interessanter Aspekt Brennans, aber eben nur einer. Im Gegensatz zu Holly Golightly ist sie in keinster Weise von irgendeinem Mann abhängig. Im Gegenteil arbeitet sie im Vergleich zu den meisten ihrer Zeitgenossinnen ihr ganzes Leben lang selbst für ihren Unterhalt. Das tut sie, weil sie ihren Beruf liebt. Für sie wäre es unvorstellbar gewesen, sich nur noch dem Haushalt zu widmen.

    Begeistert hat mich an dieser Biografie, dass es von einer intelligenten, unabhängigen Frau erzählt, die dennoch einen starken Sinn für Mode hegt. Oftmals wird das ja als Widerspruch dargestellt. Somit war es auch eine gute Fortführung, nachdem ich erst erst gerade Michelle Obamas “Becoming” beendet hatte.

    Brennen allerdings hält sich fern von der Politik. Ihre Eltern waren sehr involviert in den irischen Unabhängigkeitskampf, weshalb ein Familienleben lange nicht richtig möglich war. Der Kontakt zu den beiden wird ein Leben lang eher schwierig bleiben. Aus diesem Grund und durch den katholischen Konservativismus Irlands kehrt sie der Heimat den Rücken. New York wird ihr zuhause werden, ihre Kollegen beim New Yorker ihre Ersatzfamilie.

    Mit vielen Anekdoten, die zum Schmunzeln anregen, berichtet Karl über das Leben dieser interessanten, talentierten Frau. Damit hat ihre Geschichte für mich perfekt in die aktuelle feministische Stimmung getroffen. Auch hier zeigt sich, es gab schon immer weibliche Heldinnen, man/frau muss sie nur entdecken. Sogar das notwendige tragische Ende kann sie vorweisen.

    Für mich ein weiterer großer Pluspunkt dieser Neuerscheinung war auch, die charmante Atmosphäre des 50er Jahre New Yorks. Neben wilde Partys und viel Mode waren auch einige der interessantesten Personen dieses Jahrzehnts in Brennans Umfeld anzutreffen. Eben besagter Capote, genauso aber auch Diana Vreeland oder Camel Snow in ihrer Zeit bei Harper’s Bazaar.

    Das einzige was ich mir noch gewünscht hätte, waren noch ein paar mehr Bilder gewesen. So habe ich nebenher immer wieder gegoogelt, wie denn nun etwa Christian Diors New Look aussah. Aber möglicherweise ändert Hoffman & Campe das ja noch in einer 2.Auflage.

    Michaela Karl : „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen.“. Hoffmann und Campe. 352 S., 22€

  • Sonstiges

    Mein Lesemonat März

    Das Jahr hat für mich gefühlt erst begonnen und schon befinden wir uns im April. Aus diesem Grund gebe ich nun auch etwas verspätet einen Überblick über meinen Lesemonat März. Er war nicht besonders erfolgreich, da ich die letzten Wochen immer sehr beschäftigt war. Trotzdem kann ich zufrieden sein, ich hatte eine gute Bücherauswahl. Glücklicherweise war keines meiner gewählten Bücher ein wirklicher Reinfall.

    Paulo Coelho – Elf Minuten

    Wie berührt man die Seele? Durch Liebe oder durch Lust? Kann man die Seele wie einen Körper berühren und umgekehrt? Ein provozierendes modernes Märchen über die Alchemie der Liebe.

    Das war für mich diesen Monat das schwächste Buch. Es ist sicherlich nicht schlecht geschrieben, aber ich bin überhaupt nicht in die Handlung hinein gekommen und fand auch die Entscheidungen der Protagonistin nicht nachvollziehbar. Da haben mir andere Coelho-Werke deutlich besser gefallen als „Elf Minuten“.
    Fazit: ★★★ von 5

    Martin Suter – Der letzte Weynfeldt

    Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, großbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie außerhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass nichts ist, wie es scheint.

    Ich lese unheimlich gerne Suter und “Der letzte Weynfeldt” war einer seiner wenigen Romane, die ich bisher noch nicht gelesen hatte. Auch wenn ich denke, dass es nicht mein neuer Lieblings-Suter wird, habe ich es sehr, sehr gerne gelesen. Der herrliche Snobismus seines Helden, den ich schon in der Allmen-Reihe so liebe, hat mich immer wieder zum Grinsen gebracht.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Lizzie Doron – Ruhige Zeiten

    Leale, mittlerweile um die sechzig, wurde von ihren Eltern einst einer polnischen Bäuerin anvertraut und überlebte Krieg und Verfolgung in einem Erdloch. Gerade volljährig heiratete sie in Israel den polnischen Schneider Sulik, denn sie sehnte sich nach einer Familie. Die beiden bekommen einen Sohn. Aber, sagt Sulik: »Man braucht auch einen Beruf, um zu überleben.« Und wirklich, nach Suliks Tod rettet die Arbeit in Sajtschiks Friseursalon ihr das Leben. Dreißig Jahre lang manikürt Leale den Frauen des Viertels die Nägel, hört ihre Geschichten und ist Sajtschiks Vertraute. In diesem Friseursalon verdichtet sich alles, Gegenwart, Vergangenheit, Erinnerungen, Sehnsucht.

    Auch mein zweiter Doron-Roman hat mir gut gefallen. Gefühlsmäßig habe ich während des Lesen immer wieder zwischen Lachen und Weinen geschwankt. Obwohl man als Leser immer wieder ziemliche Zeitsprünge hinlegen muss, war ich vollkommen in meinem Lesefluss drinnen. Ich musste es einfach in einem Rutsch durchlesen. Schließlich bin ich allerdings sehr melancholisch zurück geblieben, da ich das Ende mit gemischten Gefühlen erfüllt hat.
    Fazit: ★★★★ von 5

    Agatha Christie – Der Ball spielende Hund

    Als die wohlhabende Emily Arundell in ihrem Landhaus die Treppe hinunterstürzt, glauben alle, sie sei auf dem Ball ihres Terriers ausgerutscht. Emily aber hat ihre Verwandten unter Verdacht. Hat einer von ihnen versucht, sie zu ermorden? Noch im Krankenhaus schreibt sie einen Brief an Hercule Poirot. Als dieser bei ihm eintrifft, ist es für die alte Dame jedoch bereits zu spät. Doch auch Poirot glaubt nicht an einen Unfall …

    Ich denke nicht, dass Christie in diesem Fall einen ihrer raffiniertesten Plots geschrieben hat, auch wenn ich überhaut nicht auf die Lösung des Falls gekommen wäre. Allerdings hat sie mich damit überzeugt, dass sie den Hund des Mordopfers so schön in die Handlung integriert hat. Mit einem liebenswerten Vierbeiner kann man mich vermutlich meistens überzeugen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

    Michelle Obama – Becoming: Meine Geschichte

    „Es gibt noch so vieles, was ich nicht weiß, über Amerika, über das Leben, darüber, was die Zukunft bringen wird. Aber mich selbst kenne ich. Mein Vater Fraser hat mir beigebracht, hart zu arbeiten, viel zu lachen und immer Wort zu halten. Meine Mutter Marian hat mir gezeigt, wie ich mit meinem eigenen Kopf denken und meine Stimme einsetzen kann. Gemeinsam haben sie mir in unserer beengten Wohnung in der South Side von Chicago dazu verholfen, den Wert unserer Geschichte, meiner Geschichte, in der größeren Geschichte unseres Landes zu erkennen. Selbst dann, wenn das Leben weder schön noch perfekt ist. Selbst dann, wenn es realer ist, als einem eigentlich lieb wäre. Denn die eigene Geschichte ist etwas, das man hat, das man immer haben wird. Wir müssen sie nur für uns beanspruchen.“

    Das war sicherlich das Highlight meines Monats, deshalb hatte dieses Buch auch einen eigenen Beitrag verdient (siehe http://buchdschungel.de/?p=89 ). Ich finde, es ist zurecht eines der meistverkauften Bücher des Jahres. Ich würde es auch jedem ans Herz legen, es selbst einmal zu lesen.
    Fazit: ★★★★★ von 5

  • Biografisches,  Gegenwartsliteratur

    Becoming – Meine Geschichte

    Michelle Obamas Biografie war seit langem mal wieder ein Buch, das ich in meiner favorisierten Buchhandlung vorbestellt habe.

    In einer politischen Landschaft voller alter Männer war es interessant die relativ jungen Obamas zu beobachten und dabei vor allem Michelle, die offiziell gar kein Amt inne hatte. Sie vertritt für mich das Bild einer modernen, emanzipierten Frau, aber sie steht als engagierten Ehefrau und Mutter auch für traditionelle Werte.

    Es gab für mich also eine Vielzahl von Gründen “Becoming” zu lesen. Trotzdem habe ich es leider erst jetzt geschafft, es durchzulesen, obwohl ich mir das Buch direkt im November gekauft hatte. Mein Studium und verschiedene andere Verpflichtungen hatten mich vom Lesen abgehalten. Umso gespannter war ich, endlich damit anzufangen und meine Erwartungen wurden schließlich voll erfüllt.

    So erzählt Obama von ihrer Kindheit in einem der ärmeren Viertel Chicagos. Noch weit entfernt von einem Leben als weltbekannte Persönlichkeit beschreibt sie sich schon als Grundschülerin so ehrgeizig, dass sie immer zu den besten gehören wollte. Mithilfe der Unterstützung ihrer Eltern schafft sie es so schließlich nach Princeton. Dort stellt sie jedoch schnell fest, dass sie als Afro-Amerikanerin zu einer kleinen Minderheit gehört. Eine Erkenntnis, die auch ihre spätere berufliche Karriere beeinflussen wird. Nach einem erfolgreichen Jura-Studium in Harvard beginnt sie in einer großen Kanzlei zu arbeiten. Dort erfährt man schließlich auch wie sie Ehemann Barack kennen gelernt hat. Ausführlich und authentisch schildert sie ihren weiteren Werdegang, darüber wie sie mit ihrer Familie nie in der Politik landen wollte, bis hin zur Übergabe des Weißen Hauses an Donald Trump.

    Natürlich merkt man ihrer Biographie an, dass in den Vereinigten Staaten möglicherweise alles etwas enthusiastischer und romantisierter betrachtet wird. Ich könnte mir kaum vorstellen, dass beispielsweise Angela Merkel ähnlich begeistert von ihrem Ehemann Joachim Sauer schreiben könnte. Das ist natürlich auf die Spitze getrieben, dennoch erscheint mir unser deutsches Naturell erheblich nüchterner zu sein.

    Unabhängig davon, ist “Becoming” vor allem unglaublich inspirierend. Es erzählt davon, wie Michelle mit viel Fleiß und Disziplin aus einer armen Gegend kommend schließlich an zwei Eliteuniversitäten studiert und eine erfolgreiche Karriere hinlegt.

    Beim Lesen hat es mir immer wieder Respekt eingeflöst, wie zielstrebig sie von Anfang an in ihrem Leben gewesen sein muss. Wie viel harte Arbeit sie investiert hat, auch um sich in der Gesellschaft zu engagieren und nicht nur um reich und erfolgreich zu sein.

    Auf der anderen Seite hat es mich noch mehr überzeugt, welche tiefe Einblicke sie auch in negative Aspekte ihres Privatlebens gegeben hat. So erstaunte es mich beispielsweise, dass sie so offen von den Schwierigkeiten ihres Kinderwunsches erzählt. Gerade die Obamas wirken immer als eine Vorzeigefamilie. Es erscheint gerade zu unvorstellbar, dass es ohne die heutigen medizinischen Möglichkeiten von künstlicher Befruchtung diese Familie so vielleicht gar nicht gäbe.

    Oder wie sie ehrlich die politischen Ambitionen ihres Mannes reflektiert. Zwar hat er in seiner Karriere viel erreicht, aber dafür hatte dies auch einige Schattenseiten für die Familie. Immer voll im Einsatz für seine Ämter, konnte er oftmals nicht bei seinen noch kleinen Kindern sein.

    Insgesamt bot das Buch sowohl Anekdoten zum Schmunzeln sowie einen Blick auf ernstere Themen unserer heutigen Gesellschaft. Gerade in Zeiten von Populismus und nicht enden wollenden Skandalen aus dem Weißen Haus ist es ermutigend zu sehen, was jeder Einzelne von uns erreichen kann.

    Michelle Obama : „Becoming – Meine Geschichte“. Goldmann. 544 S., 26€

  • Sonstiges

    Mein Besuch der Prager Kloster-Bibliothek

    Die letzte Zeit war es aufgrund der Prüfungen für mein Studium sehr stressig, deshalb konnte ich auch keine weiteren Beiträge schreiben. Nachdem das allerdings vorüber ist, habe ich mir zusammen mit meinem Freund einige schöne Tage in Prag gegönnt. Meine Großeltern wohnen dort in der Nähe, es war also nicht mein erster Besuch der tschechischen Hauptstadt, aber ich finde immer wieder neue interessante Orte. Diesmal hatte ich von einer schönen alten Bibliothek gehört, welche sich dort befinden sollte.

    Im Internet fand ich heraus, dass es sich dabei um die Bibliothek des Kloster Strahov handelte. Dieses stammt bereits aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, noch bis heute handelt es sich um eine Abtei des Ordens der Prämonstratenser. Die Bibliothek selbst besteht aus zwei Räumen: dem theologischen und dem philosophischen Saal. Darin sind einige Kostbarkeiten und Unikate enthalten, unter anderem auch das Evangeliar von Strahov, eine Handschrift aus dem 9./10. Jahrhundert.

    Ich liebe alte Bücher/Bibliotheken und war erstmal vollkommen euphorisch, zumal auch der Eintritt sehr günstig erschien.

    Es kam jedoch nicht ganz so wie erwartet…

    Da das Kloster nicht in der Nähe des Hotels lag, wollte ich es noch vor dem Check-in besuchen. Ich hatte mir auch extra viel Zeit eingeplant, um ja alles anschauen zu können.

    Wir kamen also pünktlich dort an, die Fahrt war gut verlaufen und auch das Kloster hatten wir sofort gefunden. Als erstes kleineres, aber schnell behobenes Problem stellten wir fest, dass die Zahlung nur Bar und in Kronen möglich war. Das war kein Drama, da sich in der Nähe ein Wechselautomat befanden. An der Kasse sah ich dann, dass man für die Möglichkeit zu fotografieren extra bezahlen musste. Ich haderte kurz mit mir, aber ich hatte schon fest eingeplant, dass ich dazu einen Beitrag für euch schreiben wollte. Also zahlte ich diese 50 Kronen ( ca. 2 €) natürlich.

    Um zu der Bibliothek zu gelangen, musste man über eine Treppe in das nächste Stockwerk. Wir stiegen also die Treppe hinauf und mussten erstmal feststellen, dass man von dort nicht viel weiter kam. Die Bibliotheksräume sahen zwar genauso malerisch aus wie auf Bildern, aber wenn man keine Führung gebucht hatte, konnte man nur von einem kleinen Flur aus durch die Eingangstüren schauen. Ich war darüber sehr enttäuscht, aber zumindest hatte ich noch die Chance auf ein paar gute Bilder.

    Dann kam jedoch auch noch Pech ins Spiel. Nach ein paar Fotos gab bereits der Akku meines Fotoapparates auf. Auch der Versuch mit der Handykamera scheiterte schnell, weil auch diese beschlossen hatte, ihre Funktion aufzugeben. Ich musste also hoffen, dass bei meinen wenigen Fotografien ein paar ordentliche dabei sein würden.

    Die Ergebnisse seht ihr im Anschluss:  

    Philosophischer Saal
    Theologischer Saal ( wenn auch mehr schlecht als recht sichtbar)

    Der Eintritt hat uns jeweils 60 Kronen gekostet, da wir den Studententarif nutzen konnten. Fotos musste ich, wie bereits erwähnt, nochmal extra zahlen.

    Weitere Informationen findet ihr auf:

    https://www.strahovskyklaster.cz/en/basic-information